AUGSBURG. - Während in Berlin auf der Grünen Woche die Köstlichkeiten dieser Welt ohne Streit in vielen kleinen Happen verzehrt wurden, hatte weiter südlich, in Bayern, die Strafrichterin Brigitta Schiffelholz eine wirklich delikate Aufgabe zu lösen. Es ging um die Frage, welche Voraussetzungen ein Leberkäs erfüllen muß, damit er die Bezeichnung "original bayerisch" führen darf.

Im Mutterland der Wurstprüfungskommissionen, der Brotzeitmacher und der Biergartenrevolutionäre ist das beileibe keine Nebensache.

Immerhin gibt es auch einen Verein gegen betrügerisches Einschenken von Maßkrügen, was zeigt, daß Verbraucherschutz im Freistaat eine volksnahe Angelegenheit ist.

So viel vorweg: Der Leberkäs bleibt juristisch weiterhin nur mangelhaft definiert und ist auch fürderhin letztlich nur dem Geschmacksurteil des Volkes unterworfen. Denn nach zähem Ringen stellte Richterin Schiffelholz das Verfahren gegen eine Augsburger Wurstwarenfabrik schließlich ein. Ein in Folie verschweißter bläßlicher und gebrühter Leberkäs ohne Kruste (!) darf also weiterhin als "original bayerisch" in weiß-blauer Rautenverpackung verkauft werden - nur als "ofengebacken", bitt schön, sollte er nicht mehr angepriesen werden.

Die Causa Leberkäs (nur echt ohne e am Ende!) ist für Außenstehende auch ohne den Krustenstreit schon schwer verdaulich. Denn das originelle Grundnahrungsmittel trägt die Verwirrung schon im Namen, enthält doch der Leberkäs weder Leber noch Käse. Er besteht vielmehr aus Rind- und Schweinefleisch nebst Gewürzbeigaben.

Leberkäs ist als Imbiß nicht zu ersetzen, jedenfalls nicht in Bayern. Warm und in der Semmel, mit Senf. Mit süßem wie auf der Weißwurst oder mittelscharfem wie am Wienerle? Näheres dazu bald unter einem anderen Aktenzeichen.