Auch der sanfteste Wanderer zertritt gelegentlich Pflanzen, stört Tiere und trägt mit seiner Wanderschaft dazu bei, daß neue Gasthöfe entstehen. Reisen kann ebensowenig umweltfreundlich sein wie ein Auto. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband ist insofern ehrlich, als er Plaketten an Herbergen verleiht, die nach seinen Kriterien "umweltverträglich" wirtschaften.

Trotzdem sucht der Deutsche Fremdenverkehrsverband (DFV) nun die "umweltfreundlichsten" Urlaubsorte in Deutschland. 6000 Fremdenverkehrsgemeinden sind aufgerufen, sich bis April am ersten nationalen Wettbewerb in dieser Kategorie zu beteiligen. In einem Jahr sollen dreißig Exempel für ökologisch unbedenklichen Urlaub in Deutschland prämiert und präsentiert werden.

Was unter einem umweltfreundlichen Fremdenverkehrsort zu verstehen ist, darüber entscheiden in dieser aus Steuergeldern finanzierten Konkurrenz in erster Linie Lobbyisten aus Wirtschaft und Fremdenverkehr.

In der Jury besitzen sie gegenüber den Umwelt- und Naturschützern eine sichere Dreiviertelmehrheit.

Organisationen wie Greenpeace oder den BUND wollte man nicht dabeihaben.

Ein Querulant, wer Böses dabei denkt: daß es bei diesem Wettbewerb in erster Linie um gefällige Werbung für den schwer angeschlagenen Tourismusstandort Deutschland geht. Jedes Bundesland wird einen Sieger beisteuern, das ist Ehrensache im föderalen System, und kein Kandidat soll durch übertriebene Anforderungen kompromittiert oder womöglich gar abgeschreckt werden.

Im Leitfaden des Wettbewerbs, der allen Urlaubsorten in diesen Tagen zugestellt wird, gilt schon der Austausch von siebzig herkömmlichen Abfallkörben gegen zehn "Wertstoffinseln" als leuchtendes Beispiel für umweltfreundlichen Tourismus. Lobende Erwähnung findet dort auch Oberstdorf, das sich seinen autofreien Ortskern mit 11 000 (in Worten: elftausend) "Auffangparkplätzen an der Peripherie" erkauft hat. Daß sich diese Blechkarawane auf dem Weg zu den Oberstdorfer Auffangparkplätzen durch Sonthofen und Fischen wälzt, stört offenbar nicht: Ein Wettbewerb ruft auf zur Kirchturmpolitik.