ARD, freitags: "Die schönste Sache der Welt"

Schon vor Jahren kündigte der WDR eine Staffel von Erotik-Filmen an, die Kitzel mit Geist und Nacktheit mit Niveau verbinden sollten.

Aber die öffentlich-rechtliche Antwort auf den Schmuddel-Sex der Kommerzkanäle ließ auf sich warten. Offenbar hatte man in Köln den richtigen Eindruck, daß es schwierig bis unmöglich sein würde, Graf Fummel und seine Gespielinnen ausgerechnet mit ästhetischem Ehrgeiz herauszufordern. TV-Liebesgrüße kommen hierzulande nun mal aus der Lederhose und nicht aus dem Seidenpyjama. Oder?

Subtile Erotik und Pornos sind zweierlei. Erotik, verstanden als die Zeit "davor", voller Winke und Mehrdeutigkeiten, spricht sich nicht aus, sie verrät sich nur. Sie kommt indirekt an oder gar nicht. Bei Pornos ist es andersrum: Hier weiß man, was los ist, und redet davon. Der Reiz liegt gerade in der Unverblümtheit, in der er und sie nacheinander greifen. Und wenn es Hürden gibt, dann nur, um den Spaß zu verdoppeln. Erotische Filme lassen das Verlangen aufblühen, Pornos wollen es befriedigen. Die ersteren wenden sich an Sinne und Gemüt, die letzteren an die Genitalien.

Eine Mischung beider Genres ist schwierig und haut selten hin.

So ist denn auch die Verbeugung der ARD vor der "schönsten Sache der Welt" ziemlich krampfig ausgefallen. Daß Frauen auf Bonbons zurückgreifen, wenn der Gatte sie vernachlässigt, ist wahrlich keine erregende Message. Und wenn ein niederländischer Bursch, gemalt von einem alten Meister, aus dem Bild heraus so einladend blinzelt, daß die Betrachterin - dem Computertrick sei Dank - mir nichts, dir nichts ins Gemälde rutscht, um dann lustig im Hinterzimmer mitzumischen, ist das als Idee so graumeliert und als Erotikon so hoffnungslos verkitscht, daß man als Zuschauer mit der "schönsten Sache" gereizt zu hadern beginnt.

Überhaupt: "Schönste Sache der Welt . . ." Betulicher ging es wohl nicht! Der Titel erinnert an die Sexualaufklärung der Vor-Kolle-Zeit: "Es" sei ja eigentlich eine reichlich abstoßende Ferkelei, dabei aber "ganz natürlich" und, wenn zwei sich wirklich liebhaben, sogar ein bißchen "schön".