Malcolm Brody war ein eher durchschnittlicher Collegeabgänger.

Seine Karriere wollte er im Versicherungsgeschäft beginnen. Eine der Firmen, an die er sich gewendet hatte, bat ihn, seine Bewerbung per elektronischer Post einzureichen. Er tat es und erhielt wenige Sekunden später die Antwort: abgelehnt. Weder Personalchef noch Abteilungsleiter hatten die Anfrage zu Gesicht bekommen. Eine Software hatte die elektronische Post als Bewerbungsschreiben erkannt, begutachtet und beantwortet. Vor einem Jahr wurde dieser Fall in Amerika heftig diskutiert; er provozierte aufs neue die Frage, welche Entscheidungen man einem Computerprogramm überlassen darf.

Dabei ist Software dieser Sorte, wie sie heute schon vielfach verwendet wird, in ihrer Wirkung vergleichsweise beschränkt.

Sie sucht die Bewerbungen nur nach Stichwörtern ab, die ihr jeweils für die offenen Stellen vorgegeben worden sind. Findet sie nicht genug davon, fehlt etwa ein bestimmter Schulabschluß, schickt sie ungefragt einen abschlägigen Formbrief ab.

Es gibt Menschen, die sich vorgenommen haben, solchen Programmen ernstzunehmende Fähigkeiten beizubringen. Nicht wenige sitzen am renommierten Medialab des Massachusetts Institute of Technology (MIT), und eine von ihnen ist Pattie Maes, die Leiterin der dortigen Autonomous Agents Group. Ihr Ziel ist es, regelrechte digitale Agenten zu entwickeln, die ihren menschlichen Auftraggebern auch komplexe Aufgaben abnehmen könnten.

Solche Software-Agenten sind eine der meistdiskutierten Verheißungen, die die Computerbranche derzeit zu bieten hat. Nicholas Negroponte, der Leiter des MIT, predigt schon lange von den Zeiten, in denen diese Agenten für ihre menschlichen Gebieter im Internet einkaufen gehen und bei der Gelegenheit die neuesten Nachrichten einsammeln, die sie interessieren könnten.

Das Vorsortieren von Bewerbungsschreiben ist da nur ein kleiner Anfang. Den Vorwurf, es habe etwas Unmenschliches, wenn Bewerber so abgespeist werden, weist Pattie Maes denn auch weit von sich: "Sind komplizierte bürokratische Akte bei der Bewerberauswahl wirklich gerechter?" Die Qualifikation, die man von einem Bewerber erwarte, sei objektivierbar, und was objektivierbar sei, benötige nun einmal keine menschliche Arbeitskraft.