INFORMATIONEN:

SCHWEIZER VERKEHRSBÜRO, KAISERSTRASSE 23, 60311 FRANKFURT AM MAIN, TEL. 069/25 60 01. CHOCOLATS CAMILLE BLOCH SA, CH-2606 COURTELARY, TEL. 0041-39/44 17 17. LINDT CHOCOLADEFORUM, SEESTRASSE 204, CH-8802 KILCHBERG, TEL. 0041-1/716 22 33. CHOCOLAT ALPROSE S.A., VIA ROMPADA, CH-6987 CASLANO-LUGANO, TEL. 0041-91/71 66 66.

Munter sprudelt das Schokoladenbrünnchen inmitten künstlicher Palmen. Begehrlich richten sich Kinderaugen auf die hellbraunen, bleistiftdünnen Fontänen, von denen die Knirpse aus der vorhergehenden Besuchergruppe bereits kosten durften. Aber noch hat die Dame an der Kasse des Caslanoer Schokoladenmuseums die dicke Absperrkordel am Entree nicht wieder aus ihrer Halterung gelöst. Statt auf der Zunge zu schmelzen, betört die Schokolade daher vorerst nur die Nasen der Wartenden. Denn unmittelbar an das Museum grenzen die Fabrikationsräume von Chocolat Alprose. Aus ihrem Innern wabert der süße Kakaoduft hinaus auf den Besucherparkplatz und hinauf in den verregneten Tessiner Novemberhimmel.

Endlich fällt das Einlaßseil, und die stattliche Besuchergruppe drängt zum Schokobrunnen. Die Infotafeln an den Wänden würdigt kaum jemand eines Blicks. Auch den Gang über den kurzen Besuchersteg, der zwischen blitzblanken Deckenröhren, Bänderstraßen und Steuerarmaturen über den Köpfen der weißbekittelten und mit weißen Schutzhauben ausgerüsteten Arbeiter schwebt, erledigen die Besucher rasch.

Ebenso den Besuch der beiden Museumsräume, die mit zahlreichen historischen Sammelstücken vorwiegend aus dem Fundus des Alprose-Eigners Stollwerck liebevoll ausgestattet sind. Man ist schließlich nicht nur zum Schauen gekommen, sondern zum Probieren - und wohl in erster Linie wegen des günstigen Fabrikverkaufs.

Ohne sich lange bei der Sarotti-Mohr-Vitrine, den Jugendstil-Reklamebildern oder den alten Schokoladenautomaten aufzuhalten, schwappt das Gros der Museumsbesucher - meist sind es organisierte Busreisende aus dem nahen Italien - zielstrebig durch die in Westernsaloon-Manier gestylte Schwingtür in den Verkaufsbereich. Dort locken unter anderem Alpenros'sche Tafeln, Täfelchen, Dragées und Stollwerck-Erzeugnisse zu Dumpingpreisen. Mit vollgestopften Tüten - die Degustation ist im Eintrittspreis für das Museum eingeschlossen - geht es dann wieder auf den Rückweg nach Como oder Milano oder in die Ferienwohnung am Luganer See.

Die Schweiz genießt weithin den Ruf als Land der Schokolade. Obwohl die süße Köstlichkeit hier nicht erfunden wurde und auch ihr Anteil an der Weltproduktion mit ungefähr acht Prozent nicht besonders hoch liegt. Das sind 120 000 Tonnen. Davon verläßt nur knapp die Hälfte das Herstellungsland.