Die deutschen Innenminister wollten keine Zeit verlieren. Sechs Wochen nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages für Bosnien-Herzegowina präsentierten sie ihren Beschluß über die "Rückführung" der Kriegsflüchtlinge.

Die Minister sprachen viel davon, daß die hilfreichen Hände der Bosnier in der Heimat gebraucht würden - und dachten auch ein wenig daran, was ihr Unterhalt in Deutschland kostet. Der Beschluß staffelt die Rückkehr - ganz im Geiste deutscher Fürsorge - nach Zumutbarkeit: Ab 1. Juli 1996 gehen Alleinstehende sowie Verheiratete, deren Partner in Bosnien leben; ab 1. Mai 1997 folgen Familien.

Auch soll es Sonderregelungen geben, für Deserteure zum Beispiel.

Das klingt gerecht, und wer wollte bezweifeln, daß die Flüchtlinge irgendwann zurückgehen müssen? Offen ist nur, ob auch die Befriedung Bosniens den ausgetüftelten deutschen Plänen und Fristen gehorcht.

Die meisten Menschen wurden schließlich mit dem Ziel vertrieben, daß sie nie wiederkehren. Ihre Häuser sind schlimmstenfalls zerstört und bestenfalls von anderen Flüchtlingen belegt. Und welcher Muslim will schon nach Srebrenica zurück, welcher Serbe nach Mostar, welcher Kroate nach Zenica? Dem eiligen Beschluß über die Rückführung werden noch langwierige Wohnungsbauprogramme folgen müssen. Bleibt die Frage: Wer zahlt?