Er war zweiundzwanzig Jahre alt, hatte noch keine Zeile veröffentlicht, da begrüßte Anna Achmatowa ihn schon als neuen Osip Mandelstam.

Ein Jahr später, 1963, stand er als "Parasit und Nichtstuer" vor Gericht: "Beruf? - Ich bin Dichter - Wer hat dich zum Dichter erklärt? Wer hat dich aufgenommen unter die Dichter? - Niemand.

Wer hat mich aufgenommen unter die Menschen? - Hast Du Dichtung studiert? - Ich glaube nicht, daß das eine Frage des Studiums ist. Das kommt von Gott." Das Verhör endete mit der Verurteilung des jungen Petersburger Juden zu fünf Jahren Zwangsarbeit im arktischen Rußland.

Joseph Brodsky gab damals nicht nach, und er tat es später nicht.

Nicht aus Trotz, sondern weil er nicht anders konnte. Er glaubte nicht an Belehrung und Erziehung, ja nicht einmal an Lernen und Entwicklung. Sein Ich war früh fertig, und es hatte - Brodsky war nicht einmal dreißig Jahre alt - Gemeinschaftwohnung und Antisemitismus, Arbeitslager und Irrenanstalt überlebt. Nichts davon, so betonte er immer wieder, hatte ihn berührt. Joseph Brodsky war nicht nur derselbe geblieben, sondern jeder Versuch, ihm zu schaden, war ihm - so sah er es - ein Segen geworden: Die sowjetische Gleichmacherei hatte es dem jungen Dichter erleichtert, etwas Besonderes zu sein; als er im amerikanischen Exil - seit 1972 lebte er dort - fürchtete, sein Russisch zu verlernen und in Panik geriet, gewann er auch dem etwas Positives ab: "In der Regel sind die Resultate desto interessanter, je größer die Angst ist." So versuchte er sich durch die Geschichte zu manövrieren. Sein Sarkasmus war Überlebens- und Stilmittel zugleich.

In einem langen Gedicht aus dem Jahre 1969, "Auf Jalta", finden sich die Zeilen:

". . . Hat man uns doch gelehrt,