Wen die Sünde nicht mehr lockt, der kann sich tugendhaft geben.

Frankreich hat Ende voriger Woche zum letzten Mal eine Atomwaffe getestet. Jetzt will es, weil es künftig ohne derartige Versuche auskommt, mit aller Kraft auf den baldigen Abschluß eines umfassenden Teststopp-Vertrages drängen.

Das mag heuchlerisch nennen, wer vergißt, daß Atomwaffen für ihre Eigentümer ein Unterpfand der Sicherheit sind. Eine andere Macht, wie Frankreich ein atomarer Nachzügler, wird schon bald daran erinnern. China will seine Testserie demnächst fortsetzen - notfalls bis zur Ratifizierung des Verbots.

Der Teststopp könnte schon im kommenden Sommer unterzeichnet werden.

Bis er jedoch in Kraft tritt, mögen Jahre vergehen. Der Versuch, vorher durch internationalen Druck eine Beendigung der chinesischen Versuche zu erzwingen, wäre ebenso vergeblich wie im Falle Frankreichs.

Die Empörung muß vielmehr auf Mühlen geleitet werden, die auch mahlen können: Nur eine mit Peking konzertierte Aktion kann dem Teststopp frühe Geltung verschaffen. Bevor China nicht erkennt, daß seine Sicherheit damit zu vereinbaren ist, bleibt das Verbot ein frommer Wunsch.