Zwei Dinge seien wichtig in der amerikanischen Politik, sagte 1895 im Bundesstaat Ohio der Senator Mark Hanna: "Das erste ist Geld. Was das zweite ist, habe ich vergessen."

"In der Wahlkampf-Bibel heißt es: Am Anfang war das Wort", meinte hundert Jahre später in Washington Harley Barbour, der Vorsitzende des Nationalkomitees der republikanischen Partei - "und das Wort war Geld."

Geld. In den Vereinigten Staaten regiert es die Politik. Geld ist die Eintrittskarte für den Wahlkampf, das Schmiermittel des politischen Geschäfts, die Überlebenshilfe für den Amtsinhaber.

Kein Präsident, kein Senator oder Abgeordneter kommt ohne aus, Jahr für Jahr wird mehr benötigt. Die durchschnittlichen Kosten für eine Kampagne um einen Senatssitz in Washington liegen bei 4,6 Millionen Dollar. Für die Verteidigung eines Abgeordnetenplatzes sind immerhin noch mehr als eine halbe Million Dollar fällig.

Bill Clinton und seine republikanischen Herausforderer für die Präsidentenwahl im November haben bereits gut 80 Millionen Dollar ausgegeben; bis zur Wahl wird das Tauziehen um den Einzug ins Weiße Haus alles in allem wohl über 600 Millionen gekostet haben - und damit so teuer sein wie kein anderer Wahlkampf zuvor.

Bei solchen Summen wächst der Verdacht, daß nicht mehr Parteien oder Politiker über den Kurs Amerikas entscheiden, sondern ihre Finanziers. Nur für einen Teil der Präsidentschaftswahl kommt der Staat auf, bei Senatoren, Abgeordneten und ihren Konkurrenten werden die Wahlkämpfe sogar vollständig aus privaten Kassen bezahlt.

In Washington ging die Bürgerrechtsgruppe Citizen Action vor kurzem mit dem Vorwurf an die Öffentlichkeit, daß die Republikanische Partei mit ihren Etatplänen schamlos die Interessen ihrer finanzkräftigen Klientel bediene. Davor hatte in der Hauptstadt bereits ein Buch Wogen geschlagen, das über die engen Verbindungen zwischen Großkapitalisten, Interessenverbänden und Präsidentschaftskandidaten berichtet.