DIE ZEIT: Monsieur Delors, sind selbst Sie ins Lager der Euroskeptiker gewechselt?

Jacques Delors: Ganz sicher nicht! Ich hatte stets Vorbehalte gegenüber dem politischen Teil des Maastricht-Vertrages. Vor allem habe ich die Bestimmungen über die Außenpolitik kritisiert. Leider haben mir die Ereignisse recht gegeben. Die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik gleicht einem herrlichen Mercedes, in dem der Motor eines Rasenmähers steckt. Dagegen habe ich den Vertragsteil, der die Wirtschafts- und Währungsunion regelt, immer gutgeheißen.

ZEIT: Sie haben aber kürzlich erklärt, die Wirtschafts- und Währungsunion sei "nur unter großen Schwierigkeiten zum vorgesehenen Zeitpunkt zu verwirklichen".

Delors: Ich wünsche mir schönes Wetter. Aber wenn ich Regen befürchte, muß ich dann schweigen? Auf Maastricht bezogen: Soll ich den Gegnern des Vertrages das Monopol der schlechten Nachricht überlassen?

Ich habe nur die Befürchtung geäußert, daß die jetzige Politik nicht ausreicht, um das Projekt in der vorgegebenen Zeit zu vollenden.

ZEIT: Ihre Bemerkungen bedeuten also nicht, daß Sie nicht mehr an die einheitliche Währung glauben?

Delors: Nein, nein, ganz und gar nicht. Ich will nur, daß etwas gegen den durchaus vermeidbaren Konjunkturabschwung getan wird.