Intelligenzblätter - so hießen im 18. Jahrhundert Periodika, deren Inhalt ein gedruckter Basar war: Die Blätter bestanden nur aus Anzeigen (intelligence, auf deutsch Einsicht, aber auch Auskunft).

Nun ist wieder so ein Intelligenzblatt erschienen: Amica, ein großes (9,5 14 Zentimeter), dickes (394 Seiten), schweres (ein Kilogramm) Frauenmagazin. Neben vielen Bildern und Buchstaben transportiert der Brummi einen 76 Seiten langen Shopping Guide, 200 Tips - von der Handtasche bis zur Pistole - samt ihren Bezugsadressen.

Verleger Dirk Manthey ist also zum Beileger geworden. Der Herr der Milchstraße (so heißt sein Verlag) hat bereits Erfahrung im Fahrplanjournalismus (TV Spielfilm) und Katalogjournalismus (Fit for Fun). Nun also Beigabenjournalismus. Was Wunder. In Mailand sitzt Amica-Partner Rizzoli, und in Gadgets ist Italien Spitze.

Es begann mit Gioia. Wer diese Frauenzeitschrift kaufte, bekam einen Lippenstift dazu. Es folgten: Wimperntusche, Einstecktücher, Parfüm. Die Auflage stieg zwar um achtzehn Prozent, nicht aber der Gewinn. Beigaben sind zu teuer, klagte Eugenio Scalfaro von La Repubblica. Die hatte sich zuvor mit dem Corriere della Sera einen Wettkampf geliefert. Il Corriere verschenkte einen zwanzigteiligen Englischkurs. La Repubblica konterte mit Englisch und Französisch.

Lieferte der Corriere seinen Lesern häppchenweise einen Weltatlas, beglückte La Repubblica die ihren mit einem Medizinlexikon. Daß nicht jede Beilage willkommen ist, mußte eine Gourmetzeitschrift erfahren, die es einmal mit einer Tüte Spaghetti versuchte. Das war wie Nudeln nach Rom tragen.

Wird die Presse mehr und mehr zum Überraschungsei? Und: Wer ist das Ei, was die Überraschung, wer der Wirt und wer der Parasit?

Oder lebt der Beipack gar in Symbiose? Wird künftig der Hering mit der Zeitung gleich mitgeliefert, in die man ihn einpacken möchte? Wird also die Beigabe wichtiger als die Ausgabe der Zeitung?