Was soll ein nackter Mann in der Eingangshalle des Museums bedeuten?

Weist er den Weg in einen Tempel der Lüste oder zu moderner Schöngeistigkeit?

Irrtum, die naturgetreue Figur mit verstaubter Rückenpartie verspricht weder schwüles Vergnügen noch Kunstgenuß. Ein Blick nach oben beseitigt alle Illusionen. Von der Decke hängen, penibel aufgereiht an Drähten, grobe Kleidungsstücke und ungefüge Stiefel. Die fiktive Waschkaue einer Zeche ist es, in die der Besucher eintritt. So wird er schnell eingestimmt in eine harte, vielleicht die härteste Arbeitswelt überhaupt.

Das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum ist ihr gewidmet, das Dokumentationszentrum einer Urproduktion der Menschheit. Wer hierherkommt, bringt düstere Vorstellungen mit, von Finsternis und Gefahren, von Lärm und Staub.

Er wird sie vielfach bestätigt finden. Das Bergmannslos war immer schwer und ist es heute noch. Aber der technische Fortschritt hilft inzwischen auch denen, die Naturschätze aus der Erde holen.

Die Dramaturgie des Museums bietet dabei nicht ohne Grund auch eine Entwarnung für die Umwelt.

Ein Viertel der Primärenergie im Westen, rund die Hälfte im Osten Deutschlands werden aus Braun- und Steinkohle gewonnen. Schwarzes Gold, das sich nicht nur in Wärme, sondern in vielerlei Umweltgefahren verwandelt. Die Modelle der Kraftwerke lassen die Museumsgäste jedoch freier atmen. "Siehscht", beruhigt eine Dame aus dem Schwäbischen ihren Mann, "ischt doch gar net so schlimm." Sie kann eine erfreuliche Gewißheit mit nach Hause nehmen: Der Ausstoß von Schwefeldioxyd bei der Umwandlung von Kohle in Energie ist während der vergangenen drei Jahrzehnte um achtzig Prozent zurückgegangen.