Die Würfel sind gefallen: Nach langen Querelen nicht nur mit der Opposition, sondern auch in den eigenen Reihen hat Bundespostminister Wolfgang Bötsch das Telekommunikationsgesetz am Dienstag dieser Woche durchs Kabinett gebracht. Damit steht nun fest, daß das Fernmeldemonopol bis 1998 Zug um Zug endgültig fallen wird. Die Bonner Regierung hat sich für eines der radikalsten Wettbewerbsmodelle der Welt entschieden: Auf einem total freien Markt wird es so gut wie keine Zugangsbeschränkungen geben. Selbst in den Vereinigten Staaten - auch dort wird eine weitere Öffnung des Marktes diskutiert - tun sich die Regierenden mit einem solchen Experiment noch schwer.

Hierzulande dürfte die Telekom also massiv Konkurrenz bekommen.

Das Gesetz macht es in- und ausländischen Rivalen nämlich möglich, sich nur die äußerst profitablen Geschäfte herauszupicken: zum Beispiel die vielgenutzten Strecken zwischen und innerhalb der wirtschaftlichen Metropolen oder Anschlüsse für Großkunden aus der Wirtschaft. Manche Bundesländer fürchten deshalb, daß der Wettbewerb nicht überall eine Versorgung mit bezahlbaren Tele-Diensten sichert. Es bleibt also abzuwarten, ob der Bundesrat noch Änderungen fordert.

Die Vertreter der Länder mag beruhigen, daß die Telekom als Exmonopolist, der noch lange Zeit dominant sein wird, künftig einer strikten Regulierung unterliegt. Sollte es künftig Probleme bei der Grundversorgung geben, wird der Fernmelderiese nach wie vor für flächendeckende Angebote zuständig sein. Außerdem unterliegt er einer strengen Preiskontrolle. Und Wettbewerbern, die nur über ein lückenhaftes oder gar kein eigenes Fernmeldenetz verfügen, wird die Telekom ihre eigene Infrastruktur zur Verfügung stellen müssen. Auch die Gebühren dafür werden überwacht.

Diese günstigen Rahmenbedingungen haben bereits viele Interessenten auf den Plan gerufen. Darunter ausgerechnet die meisten Stromversorger, die selbst zum Teil noch in staatlicher Hand sind und in ihrem angestammten Geschäft auf komfortablen Gebietsmonopolen hocken.

Mit der Öffnung dieses Marktes tun sich Bonn und Brüssel außerordentlich schwer. Reichlich spät hat jetzt die Monopolkommission diese denkwürdige Konstellation erkannt und moniert. Ändern wird das wohl nichts mehr. Die Konzerne sind nämlich längst dabei, untereinander und mit erfahrenen ausländischen Telephongesellschaften mächtige Allianzen zu bilden. Zusätzlich wird es noch viele kleine Nischenanbieter geben, die sich nur auf ganz spezielle Dienste oder Regionen konzentrieren.

Den Platzhirschen Telekom in Schach zu halten, damit die Einsteiger überhaupt eine Chance haben, ist durchaus notwendig. Doch die Regulierer, denen das Gesetz reichlich Spielraum läßt, werden einen riskanten Balanceakt vollbringen müssen.