Stellen Sie sich vor: Sie sind einer von über fünf Millionen Bundesbürgern, die schon einmal Haschisch geraucht haben. Die Polizei hat irgendwie davon Kenntnis bekommen. Ein Ermittlungsverfahren wird eingeleitet, aber von der Staatsanwaltschaft eingestellt; der Konsum ist nämlich nicht strafbar, der Erwerb wiederum war nicht mit der Absicht des Weiterverkaufs verbunden, die Schuld also gering. Es bestand kein Strafverfolgungsbedürfnis.

Nun mag sich der Polizist denken, man dürfe Sie nicht einfach laufenlassen, als wäre nichts geschehen. In vielen Bundesländern wird die Polizei sogar dazu angehalten, mehr zu tun. Ihr Polizist meldet deswegen den Vorfall der Straßenverkehrsbehörde. Die hört das Wort Haschisch und wird aktiv. Sie werden aufgefordert, Ihren Führerschein abzugeben oder, auf Ihre Kosten, einen Haartest durchführen zu lassen: Der Haarprobe lasse sich entnehmen, ob Sie regelmäßig Haschisch rauchen; in dem Fall seien Sie ungeeignet, ein Kraftfahrzeug zu führen.

Sie werden sich dagegen verwahren: Kein vernünftiger Mensch, keine Verkehrsbehörde, kein Gericht käme auf die Idee, Ihre Fahreignung in Frage zu stellen mit der Begründung, man habe erfahren, Sie seien schon einmal betrunken gewesen. Nicht einmal eine erste, von der Polizei entdeckte folgenlose Fahrt unter Alkoholeinfluß würde Sie den Führerschein kosten. Doch diese Ihre Argumentation prallt an der Behörde und sogar am Verwaltungsgericht ab. Bei Haschisch ist eben alles ganz anders.

So wenden Sie sich an das zuständige Landesverwaltungsgericht. Sollten Sie dabei an den Verwaltungsgerichtshof in Mannheim geraten, hat der ebenfalls kein Verständnis für Ihre Einwendungen. Er führt Ihnen ein Gedankenspiel dazu vor, wie sich aus einer Mücke ein Elefant machen läßt - so geschehen Ende September 1995 in einem Beschlußverfahren des vorläufigen Rechtsschutzes: Der Besitzer eines Haschischkrümels sei zwar nicht des Drogenhandels verdächtig, aber doch des Haschischkonsums. Gerade weil die Menge mit 1,85 Gramm sehr gering sei, gebe der Besitz ein starkes Indiz für Eigenkonsum. Das wiederum sei ein konkreter tatsächlicher Anhaltspunkt für Bedenken gegen seine Kraftfahreignung. Nun liege es an dem Betroffenen, durch eine Haaranalyse belegen zu lassen, daß er nicht regelmäßiger Haschischkonsument sei. Sollte dieser Beweis nicht gelingen, müßte man zusätzlich ein (noch teureres) medizinisch-psychologisches Gutachten über seine Kraftfahreignung verlangen.

Ganz versteckt nimmt der Mannheimer Beschluß zu dem Argument Stellung, daß die geforderten Analysen für Betroffene beträchtliche Kosten bedeuten: "Etwas anderes gilt auch nicht mit Rücksicht auf die nicht unerheblichen Kosten der Haaranalyse." Man darf vermuten, daß es Verwaltung und Gerichten auf die Kosten gerade ankommt. Sie und das Führerscheinärgernis überhaupt sollen den Haschischprobierer als strafähnliche Sanktion treffen, wenn er schon strafrechtlich nicht ernstlich belangt wird.

Die Mannheimer Richter finden dabei Gründe, den Vergleich zum Vorgehen in Alkoholfällen abzutun: Bereits der Umgang mit Haschisch deute, anders als Alkohol, wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz auf eine gewisse Verantwortungslosigkeit und Risikobereitschaft hin; solche Haltung lasse es fraglich erscheinen, ob jemand seinen Haschischkonsum und das Fahren von Fahrzeugen zu trennen bereit sei.

Warum ein Betrunkener, ja sogar ein alkoholisierter Fahrer verantwortungsvoller sein soll, warum Trunkenheit nicht auf gleiche Nähe zu Dauerkonsum und Verkehrsgefährdung schließen lasse, das erklären die Mannheimer nicht. Ihre Indizienkette lautet einfach: Minibesitz von Haschisch = Indiz für eigenen Gebrauch = Indiz für Dauergebrauch = Indiz für Verantwortungslosigkeit = Indiz für Verkehrsuntüchtigkeit.