In fünf Wochen hat "Warten auf Mr. Right" in den USA zehn Millionen Dollar mehr eingespielt als "Sabrina" in sechs. Der Film eines schwarzen Regisseurs, mit fast ausschließlich schwarzen Darstellern und außerdem noch ein Frauenfilm, und er dauert 123 Minuten! Im meinem Kino war von diesem Boom nichts zu merken. Zwischen fünfzig und sechzig Besucher verloren sich in dem Saal. Die meisten waren weniger als dreißig Jahre alt. Ein Schwarzer war dabei und kaum mehr als zehn Männer. Vor mir saß ein Pärchen. Sie: "Das ist ein toller Film. Whitney Houston ist supergeil, einfach genial. Das ist der einzige Film, für den nicht so 'ne Scheißreklame gemacht wird. Ja, ich weiß auch nichts Genaues über den Film." Sie war laut geworden und schimpfte auf ihren Freund ein. Der sagte kein Wort. Plötzlich stoppte sie, beugte sich zu ihm hinüber und küßte ihn. Ein-, zweimal. Dann schimpfte sie wieder: "Kein Joghurt war mehr im Kühlschrank, als ich nach Hause kam. Wer frißt das denn alles weg? Soll ich vier, fünf, zwanzig Joghurts anschleppen, damit du sie dir alle reinlöffelst?" Das halbe Kino hörte, wie sie ihrem Freund die Leviten las, und so sah es auch, wie sie ihn zu sich zog und mit Mund und Zunge sein Ohr liebkoste. Der junge Mann trug die Uniform der Bundeswehr. Die Wechselbäder von Beschimpfung und Liebkosung ließ er sich offensichtlich gerne gefallen. Bis endlich die Werbung, wenn schon nicht ihn, so doch wenigstens uns von seiner anstrengenden Lebensabschnittsgefährtin erlöste.

"Warten auf Mr. Right" erzählt von vier schwarzen Mittelstandsamerikanerinnen. Der Film spielt zwischen Neujahrsnacht und Neujahrsnacht. Eine Ehe geht auseinander, eine einsame Frau findet einen Mann, die zwei anderen trennen sich von ihren Freunden. Ein Erzähler schmiert die Geschichte mit butterweicher Stimme mehr in die Weichteile als in den Verstand der Zuschauer. Die feinsten Visagisten, Friseure und Kameramänner haben ihr Bestes getan. Selbst beim heftigsten Regen zeigt der Himmel sich in zarten Gold- und Rosatönen.

Die Frauen bewegen bis auf die letzte Viertelstunde des Films nur einen Gedanken in ihren Köpfen: Wie kriege ich einen Mann? Nichts anderes interessiert sie. Er ist das einzige Objekt ihrer Begierden. Noch der verstohlenste Blick auf eines der kostbaren Exemplare wird von einem Streichquartett begleitet. Das ist auch für die hartnäckigsten Freunde der unfreiwilligen Komik nur die erste Viertelstunde ein Genuß.

Warten auf Mr. Right, Regie: Forest Whitaker (der erste Spielfilm des Schauspielers), Darstellerinnen: Whitney Houston, Angela Bassett, Loretta Devine, Lela Rochon