MOSKAU. - In der amerikanischen Presse wird oft behauptet, Rußlands Kommunisten stünden jeglichen Reformen und auch den Vereinigten Staaten grundsätzlich feindlich gegenüber. Dabei ist die Kommunistische Partei der Russischen Föderation vor zehn Jahren doch gerade als Reformpartei gegründet worden, um gegen die jahrzehntelange Stagnation und gegen Michail Gorbatschows Verlangen nach Revolution anzutreten.

Während der Westen Hallelujahs auf die Perestroika sang, wußten wir, daß Revolution in Rußland immer schmerzliche Folgen gehabt hat. Wir haben deshalb nach einer evolutionären Reform gerufen, die in Einklang stand mit russischen Traditionen und weltweiten Entwicklungen. Unglücklicherweise hat niemand auf uns gehört, und die Sowjetunion brach zusammen.

Boris Jelzins Regime hat ohne Rücksicht auf Verluste versucht, die "Segnungen" des Neoliberalismus nach Rußland zu bringen, dessen Wirtschaft und Volkscharakter sich doch so sehr von denen im Westen unterscheiden. Die Ergebnisse waren verhängnisvoll.

Das Bruttosozialprodukt und der Lebensstandard sind dramatisch gesunken. Jelzins Versprechungen, die Sozialausgaben zu erhöhen und die Lebensbedingungen zu verbessern, sind reine Wahlmanöver. Wir haben uns vorgenommen, die Macht des russischen Staates und sein Ansehen in der Welt wiederherzustellen. Das würde die russische Politik weitaus kalkulierbarer und verantwortungsbewußter machen, als sie es heute ist. Wir werden uns darum bemühen, die einzigartige Rolle unseres Staates als Dreh- und Angelpunkt eines eurasischen kontinentalen Blocks zu erneuern - und damit auch die notwendige Balance zwischen Ost und West zu schaffen.

Wir halten die Zerstörung des militärischen und strategischen Gleichgewichts, die durch den Zusammenbruch der Sowjetunion ausgelöst wurde, für ungeheuer gefährlich. Und wir erachten die Wiederherstellung der Union der ehemaligen Sowjet-Völker - basierend auf einer freiwilligen Assoziierung - für eine historische Notwendigkeit, die den Bedürfnissen Rußlands wie dem Verlangen nach Sicherheit in der Welt entspricht.

Wir werden uns von Pragmatismus leiten lassen und die Außenpolitik von jener Ideologie befreien, die ihr ruinöse Taten und Verpflichtungen auferlegt. Wir weisen Phantasien über die "Weltrevolution" zurück, aber wir halten die "neue Weltordnung", in Hinsicht auf die russischen Interessen, für genauso schädlich. Wir werden uns strikt an universelle moralische Prinzipien und an die Normen des internationalen Rechts halten.

Vor allem aber werden wir uns auf die innere Heilung und die nationale Wiedergeburt Rußlands konzentrieren. Die Außenpolitik, die diesem Ziel dient, wird sich auf den Schutz der nationalen Sicherheit konzentrieren. Das schließt allerdings die Einbindung in internationale Organisationen aus, die das Recht beanspruchen, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen.