Kinoland ist Männerland. Hier dürfen Kerle noch zupacken, Mädels richtig süß und Pistolen scharf geladen sein. Wenn Detlev Buck dieses Land erkundet, leiden sie - die Kerle, die Mädels und die Pistolen - meistens an Ladehemmung, um dann unversehens doch noch loszugehen; weshalb es im Buck-Land ein bißchen langsamer zugeht als im übrigen Kino und lustiger als im wirklichen Leben.

Es waren einmal Hammer-Gerd (Buck) und Steinbock (Til Schweiger), die saßen in einer Zelle, waren "quasi vollkommen alleinstehend", hatten wenig Grips, reichlich Muskeln und etliche Strafwochen in der Schälküche und beim Wackelzwergebemalen hinter sich. Eines Tages überlegte sich der ehrgeizige Dr. Fazetti, jüngster Strafvollzugsdirektor Deutschlands (gespielt vom jüngsten Theaterintendanten Deutschlands, Leander Haußmann), daß seine Häftlinge wie alle richtigen Männer nur von Frauen gerettet werden können, und schickte die Tapfersten von ihnen auf Hafturlaub in weibliche Obhut.

Also wagten sich Hammer-Gerd und Steinbock in abgelegten Pilotenuniformen und einem protzig-schwarzen Mercedes Cabrio auf die freie Wildbahn und verliebten sich nach zahlreichen Abenteuern mit aufmüpfigen Hühnern und renitenten Panzerknacker-Opas in eine lispelnde Blondine (Viva-Moderatorin Heike Makatsch als Möchtegern-Sängerin) und eine resolute Altenpflegerin (Marie Bäumer). Die Sonne dröhnte, die Musik wummerte, Hammer-Gerd erlag in der Badewanne und Steinbock im Hühnerstall. Und weil sie nicht gestorben sind, sitzen sie nun wieder in der Zelle, aber schlauer als zuvor, denn: "Das Schöne an einer Frau ist, daß man was hat, worauf man sich freuen kann."

Buck-Filme sind Heimatfilme. Nichts ist ihren Protagonisten fremder als der Gedanke an Flucht. Weil sie sich nicht vom Fleck rühren, werden sie heimgesucht, von der Welt, den Frauen und anderen Fährnissen. Lauter Igel, die mit ihrer Begriffsstutzigkeit den Hasen überrunden. Auch Hammer-Gerd und Steinbock sind in der Provinz zu Hause. "Männerpension" wurde zwar in Berlin gedreht, aber so, daß die Metropole auf Kleinstadtformat schrumpft: ein gesichtsloser Ort, mit den Farbfiltern des Kieslowski-Kameramanns Slawomir Idziak hübsch kunstkinomäßig verfremdet.

Ansonsten ist "Männerpension" ein typischer Buck, mit Uniformen, Männerbünden, Powerfrauen, die sich trotzdem hingeben, behäbigen Schlägereien, Tiermorden, überdrehtem Realismus und Westernsound. So erfüllt Buck sein Soll und liegt voll im Trend. Denn was im deutschen Kino einmal funktioniert, wird bis zum Erbrechen als Erfolgsrezept vermarktet: Wir können auch anders, jetzt und immerdar und immergleich, vorzugsweise mit Katja Riemann (ausnahmsweise nicht dabei) und eben Til Schweiger. Dabei ist der Buck-Touch längst zur Marktlücke avanciert, die ihr Namensgeber selbstgefällig ausfüllt, indem er seine spröde Komik zur Marotte aufmotzt. "Männerpension" nimmt sich aus wie ein frisierter Mittelklassewagen: Mainstream mit Turboantrieb. Neuerdings schreibt sich Buck wie Griffith mit "D. W." anstelle von Detlev.

Der Ausgangsidee - zwei Knackis auf Freigang verwirren die Damenwelt - folgen statt einer Geschichte nur lauwarme Gags. Als Hammer-Gerd die Hühner erschießt, murmelt er furchtsam, sie seien vielleicht gar nicht tot, sondern doch nur erschrocken. Als Maren beim Vorsingen von Frank Castorf abserviert wird, schlägt Buck dem Regie-Star aufs Maul: "Maren, wir gehen. Das ist hier viel zu theoretisch." Im Knast, bei der Schubkarren-Rallye und beim "Mensch ärgere dich nicht!", lautet die Devise: "Wer gewonnen hat, ist Sieger." Ham wir, doch, ehrlich, gelacht.

Hammer-Gerd und Steinbock sind typische deutsche Komödien-Figuren: Halbstarke. Gestandene Männer, die in der Pubertät steckengeblieben sind wie der Zollbeamte Hopnick in seinem vergessenen Zollhäuschen. Dummerweise gefällt sich ihr Regisseur in der gleichen regressiven Pose. Zwar wurden die ganz derben Zoten in der Endfassung doch noch gestrichen, aber auch die Softie-Version kann nicht verhehlen, daß Buck und sein Koautor Eckhard Theophil altbackene Machos sind - nur halt mit schlechtem Gewissen. Ihre Herrenwitze kolportieren sie nach Art des Trinkers, der der Kellnerin heimlich unter den Rock faßt und es hinterher nicht gewesen sein will.