In krakeliger Schrift steht auf einer Tafel, getragen von einem Reiseleiter: "Don't worry, this is Africa - everything will be alright". Flughafen Harare, sechs Uhr morgens. Vor den Schaltern der Paßkontrolle stehen lange Schlangen. Immer wieder knallt es hohl durch die zugige Halle. Das sind die unzähligen Stempel, die mit großem Eifer von den strengen, aber freundlichen Beamten auf Pässe und Einreiseformulare gedonnert werden. Stempeln bedeutet Macht, ist zugleich Ausdruck des Vertrauens der Simbabwer in ihre Freiheit. An der Wand hängt das Konterfei eines etwas gequält lächelnden Mannes. Wir werden ihm noch häufiger begegnen, Robert Gabriel Mugabe, dem Präsidenten. Sein Kopf klebt auf Heckscheiben, Mauern und Bretterwänden, ziert Büros und Hotelhallen.

David, ein baumlanger Kerl, gut gelaunt und gelassen - wie die meisten Menschen, denen wir in Simbabwe begegnen -, wird uns als der "beste Guide" vorgestellt. Die Aufgabe des ehemaligen Lehrers ist es, uns dieses Land näherzubringen, das bis 1965 die britische Kolonie Südrhodesien war und mit knapp 400 000 Quadratkilometern etwas größer ist als Deutschland. Wie ein Automat rattert der 25jährige sein Programm herunter, überschüttet uns mit einer Flut von Informationen und Statistiken. Und ermahnt uns: "Bevor Sie keinen Löwen gesehen haben, brauchen Sie nicht nach Harare zurückzukommen." Die "großen Fünf" - Elefant, Rhinozeros, Löwe, Büffel und Krokodil - sind ein must für jeden Touristen.

Der Name der Hauptstadt, Harare, heißt soviel wie "eine Person, die niemals schläft". Auf knapp 1500 Metern über dem Meeresspiegel erhebt sich eine Skyline aus riesigen Türmen, in denen Banken, Hotels und Ministerien residieren - protzige Trostlosigkeit. Dazwischen mondäne Geschäfte, Straßencafés, üppige Blumeninseln und übriggebliebene Juwelen der Kolonialzeit. Es ist nicht zu übersehen, daß die wenigen verbliebenen Weißen nach wie vor das wirtschaftliche Rückgrat des Landes bilden, und daß es ihnen bessergeht als der schwarzen Mehrheit. In den Vororten stehen Villen in prächtigen Gärten: ein sauberes, gepflegtes, europäisches Kleinstadtidyll, das vergessen läßt, daß das Binnenland zwischen Südafrika, Botswana, Mosambik und Sambia zur Dritten Welt zählt.

Wären da nicht in den Randbezirken der Sunshine City die Townships, in denen die schwarzen Simbabwer leben. In Mbare reihen sich in Straßen, die im Gittermuster angelegt sind, Ziegel- oder Wellblechhütten wie Schuhschachteln dicht an dicht aneinander. Auf einem riesigen Obst- und Gemüsemarkt machen die Händler Tagesumsätze in Pfennigbeträgen, erleben Touristen die erste Begegnung mit der "dunkel lockenden Welt".

Abend für Abend sind die Ausfallstraßen verstopft, winden sich über den riesigen Busbahnhofsplatz in Mbare endlose Menschenschlangen: Schwarze, die tagsüber in Büros und Fabriken, in Küchen und Gärten vornehmlich weißer Haushalte gearbeitet haben oder auf der Suche nach einem Job waren. Sie warten geduldig auf die klapprigen Busse, die sie ins Umland bringen. Die wenigen Sammeltaxis sind überladen, sogar auf den Stoßstangen hocken Menschen. Jedes Jahr strömen Zehntausende vom Land in die Satellitensiedlungen von Harare. Sie ließen die Einwohnerzahl auf mittlerweile 1,4 Millionen anschwellen, nur 100 000 davon sind Weiße.

Von Harare, dem früheren Salisbury, nach Bulawayo im Ndebele-Land dauert es eine Stunde mit dem Flugzeug oder zehn Stunden mit der Bahn. Nicht wenige der 660 000 Einwohner betrachten sich als Bürger der "heimlichen Hauptstadt". Seit Jahren liegen beide Städte im Wettstreit miteinander. Harare, das vom Sitz der Regierung profitiert und Zentrum des Shona-Volkes ist, dem Mugabe angehört, hat den südlichen Konkurrenten in die Rolle des Aschenbrödels gedrängt. Von Hauptstadtbewohnern hört man, Bulawayo sei "tiefste Provinz". Umgekehrt heißt es dort, Harare sei "eine Stadt der reichen Chefs".

Mittag in Bulawayo. Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel. Es ist einer dieser Tage, die Europäer freuen, Einheimische jedoch nervös machen. Die Angst vor einer großen Dürre - wie der vor vier Jahren, als die Sonne alles Leben verbrannte - sitzt tief. Wasserknappheit ist das größte Problem der Ndebele-Region. Das Zambesi Water Project, das über eine 450 Kilometer lange Pipeline Wasser herbeiführen soll, versickert immer wieder im Gestrüpp der Bürokratie.