Der britische Humor ist auch nicht mehr das, was er einmal war. Zumal beim Thema Europa scheint ein Teil der Inselelite nur noch Schaum vor dem Mund zu produzieren. Gelassenheit? Ironie? Witz gar? Alles Fehlanzeige, wenn es um Großbritannien und die gemeinsame Zukunft der Europäer geht. Das jüngste Opfer der Verbissenheit ist unser europatreuer Bundeskanzler. Er hat vergangene Woche bei einer Rede an der Universität Löwen die Politik der europäischen Vereinigung eine "Frage von Krieg und Frieden" genannt. Das ist vielleicht wahr, aber nicht unbedingt originell. Prominente Franzosen wie François Mitterrand und Jacques Delors hatten längst fast gleichlautende Warnungen ausgesprochen. Aus deutschem Munde indes klingen sie offenbar nach Kriegserklärung.

Zeitungen wie die Londoner Times hören denn auch schon die Knobelbecher der Deutschen auf Europas Pflaster knallen - um die Einheit zu erzwingen. Relax, Britannia! Kohls Menetekel war kein Marschbefehl, sondern eine freundliche Mahnung. Nur Schelme dürfen Böses dabei denken. Doch dazu zählen europafeindliche Briten - siehe oben - leider ja nicht mehr.