Organisierte Gruppenwanderungen bedrohen einen der spektakulärsten Weitwanderwege in den Alpen: die Grande Traversata delle Alpi.

Eine besondere Form von Tourismus soll eine von vielen Bauern aufgegebene Region in den Westalpen Italiens vor wirtschaftlicher Auszehrung retten. So entstand ein Weitwanderweg namens Grande Traversata delle Alpi (GTA).

Er führt in 55 Etappen vom Monte Rosa bis fast an die Riviera. Übernachtet wird fast immer in bescheidenen Unterkünften in den Dörfern. Eberhard Neubronner, der für einen mit dem Literaturpeis des Deutschen Alpenvereins ausgezeichneten Bildband über die GTA die Gegend photographiert und beschrieben hat, kennt einige Orte, an denen die meist deutschen Wanderer einen bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung initiiert haben. In die Täler des Piemont ohne Seilbahnen und Hotelsilos kommt der Tourismus auf Schusters Rappen.

Gleichzeitig aber tauchen die ersten Probleme auf, da inzwischen auch mehrere Veranstalter Gruppenwanderungen auf der GTA anbieten. Quartieren sich Gruppen in den Unterkünften ein, die für Einzelwanderer entstanden sind, bleibt den Individualisten oft kein Platz mehr. Fällt aber für sie eine Übernachtungsmöglichkeit aus, ist der weitere Wegeverlauf gefährdet. Bisweilen bleiben dann nur noch der Abbruch der Wanderung und die Abreise.

Aber gerade die Einzelwanderer bringen Geld in die Region. Die Gruppen laufen nur auf einigen, ausgewählten Parade-Etappen, und davon profitieren bestenfalls ein oder zwei Dörfer. Obendrein versuchten manche Gruppenführer, die Preise zu drücken, berichtet der Erlanger Geographieprofessor Werner Bätzing, der sich von Anfang an stark für die GTA engagiert hat.

Gar keine Devisen lassen Gruppen in den Tälern des Piemont. Sie wandern eine Tagesetappe mit leichtem Gepäck, lassen sich am Nachmittag in den Dörfern vom Bus abholen und übernachten in Luxushotels am Alpenrand. Am nächsten Tag picken sie sich eine andere "Rosinentour" heraus. In den Tälern hinterlassen sie nur ihren Müll. Bätzings Fazit: Ein sanftes Tourismusprojekt kann auch unsanft genutzt werden.

Dabei sieht er durchaus Alternativen auch für Wandergruppen, sofern sie nicht zu groß sind und die Teilnehmerzahl an die Verhältnisse in den Tälern angepaßt wird. Für Übernachtungen stünden einige Kilometer talabwärts genügend Alberghi zur Verfügung, die auch in der Hauptsaison noch Zimmer frei haben. Es könnten auch die Hütten des italienischen Alpenvereins genutzt werden. Die GTA-Unterkünfte sollten die Veranstalter jedoch meiden. Einige Betreiber weigern sich auch bereits, Gruppen aufzunehmen.