Es war ein kühner Plan damals, 1983, als Konrad Schily sich anschickte, in Deutschland die erste private, also vom Staat und der Bürokratie unabhängige Universität - eng mit Forschung und praktischer Entwicklung verknüpft - zu gründen. Eine Universität für begabte Studenten, die ein kompliziertes Aufnahmeexamen bestehen müssen. Eine solche Elite-Institution ist natürlich für viele höchst anstößig.

Nicht allerdings für die Industrie, die eine rege Nachfrage nach diesen Absolventen entwickelt hat: Im ganzen waren es bisher 600, die alle einen Job fanden. Auch nicht für die Studenten, die, als vor einigen Jahren große finanzielle Schwierigkeiten die Existenz der Universität bedrohten, aus eigener Initiative ein neuartiges Finanzmodell geschaffen haben. Denn sie wollten unter allen Umständen ihre Hochschule, die auf Medizin und Wirtschaftswissenschaft konzentriert ist, erhalten. Die Solidar-Gesellschaft, die sie gründeten, sichert den freien Zugang zur Universität, unabhängig von den eigenen finanziellen Möglichkeiten. Die Studenten leisten einen Beitrag von monatlich 250 Mark, der sich im Laufe von fünf Jahren auf 500 Mark steigert.

Als Schily und seine Kollegen sich 1983 entschlossen, ihr "gemeinnütziges Gemeinschaftskrankenhaus", eine Reformklinik auf anthroposophischer Grundlage, praxisorientiert, ohne Chefs und Hierarchie, in eine Universität umzuwandeln, wurde dies von der Landesregierung nur unter der Bedingung genehmigt, daß sie finanziell nicht in Anspruch genommen werde. Die Universität Herdecke (Jahresetat dreißig Millionen Mark) hat sich jahrelang durch Spenden finanziert.

Dies war möglich, weil mehrere große Industrieunternehmen nicht nur Spenden zusicherten, sondern auch Lehrstühle stifteten. Als sich aber neue Möglichkeiten in der ehemaligen DDR eröffneten, haben einige ihre Zuwendungen gestrichen. Die Landesregierung hatte ein Einsehen und genehmigte für 1995 und 1996 je sechs Millionen Mark Zuschuß. Nun aber droht ein neues Verhängnis: Die Grünen haben auf ihrem Parteitag im November 1995 beschlossen, den Zuschuß für Herdecke aus dem Etat zu streichen - ob aus Überzeugung oder Profilsucht, weiß man nicht.

Schade, daß die Grünen, die viel Sinnvolles bewirkt haben, im Begriff sind, hier eine unter Umständen irreparable Dummheit zu begehen.