Voila, das ist nun Dienst am Kunden: Unterzeichnende hat sich durch einen 316seitigen Softporno-Langweiler gequält, der von den vollen Lippen einer Achtzehnjährigen über ihre weißen Brüste zu ihrem dunklen Schoß führt, von dort aus durch die Slums der Höllenstädte Rio de Janeiro und Brasilia in Stundenhotels und Luxuswohnungen mit geheizten Frotteehandtuchstangen, schließlich in den Urwald, dort zu den Indianern und Schamanen, zurück zu jenem dunklen Schoß, der nunmehr zwanzig Jahre älter, a ber nicht weniger unersättlich ist und sich an der "Härte seiner Yamswurzel" unter seiner schwarzen Smokinghose weidet (John Updike: "Brasilien"; aus dem amerikanischen Englisch von Thomas Piltz; Rowohlt Verlag, Reinbek 1996; 316 S., 42,- DM). Nahrhafte landestypische Gerichte ("Acarajè" und "Vatapa", mit Duft nach "Dendê-Öl") reichern die Sache ebenso appetitlich an wie die Hüften unserer Heldin, "die sich nach außen wölbten wie große, geröstete Cashewnüsse"; bezahlte Killer, gütige Huren, böse Väter und inzestuöse Onkels dürfen da ebensowenig fehlen wie weise Indiofrauen, Schamanen, die des Zaubers mächtig sind, und Arbeiter, die Marx und Proudhon geläufig zwischen den Negerlippen führen. Dies alles wäre nicht der Rede wert, hieße der Autor dieser ranzigen Brasilienschwarte nicht John Updike und wäre identisch mit jenem Schriftsteller, der uns das amerikanische Durchschnittsleben des legendären Rabbit so geschildert hat, daß es uns beizeiten näherkam als das höchsteigene.

Oh Alterswerk, oh Schutz vor ihm! Warum gibt es auf Erden nicht ein Ruhebänkchen für Heller, Joseph, für Updike, John, und andere, die nur noch auf den Himmel warten müssen, in dem sie längst erwartet werden, mit Lorbeer, Dank und Goldschnitt und meinethalben Mädchenhüften wie Cashewnüssen nebst dunklen Schößen, soviel ihre Yamswurzeln vertragen?