Auf diese Freunde ist in Nürnberg immer Verlaß. Der neueste Hit bei klassischen Teddys sind alte Bären. Zumindest sehen sie mit ihren künstlich abgewetzten Nasen und Tatzen aus, als hätten schon Generationen von Kindern mit ihnen geschmust. "Etliche dieser Bären werden auch von Sammlern gekauft", erklärt Marion Mehling, eine der beiden Chefinnen von Teddy-Hermann, die Ausweitung ihres Kundenkreises. - "Viele Erwachsene wollen gerne wiedererleben, was ihnen in der Kindheit am meisten Spaß gemacht hat", meint auch Volker Schmid vom Verband der Spielwarenindustrie.

Und in der Tat: Bei der Spielwarenmesse 1996 läßt sich seine Analyse von Stand zu Stand bestätigen. Käthe Kruse legt mit "Bambino" aus dem Jahr 1925 historische Puppenmodelle neu auf, Schuco bringt Reeditionen seiner Blechautos aus den Fünfzigern heraus. Revell, einst Heerscharen von bastelnden Buben für seine detailgetreuen Flugzeugträger und Schlachtschiffe aus Plastikbausätzen ein Begriff, verkaufte im vergangenen Jahr das 1:18-Metallmodell der BMW-Isetta über 250 000mal. Als Konsequenz folgt in dieser Saison Messerschmitts Kabinenroller.

Märklin zieht mit einer Wiederauflage eines metallenen JU-52-Baukastens von 1936 alle Männerblicke auf sich, denn limitiert und zum Preis von tausend Mark ist die gute alte Tante sicher mehr für den Herrn Papa als für den Junior bestimmt. Das gilt auch für die bis in die Scheibenbremsen den Benetton- und Ferrari-Originalen getreuest nachgebauten Formel-1-Boliden von Graupner. Stolz berichten die Modellkonstrukteure von einem Testlauf auf dem Hockenheimring, bei dem die gut wärmflaschengroßen Flitzer ihre Vorbilder zumindest auf den ersten zwanzig Metern nach dem Start in den Miniauspuff gucken ließen.

Doch zurück zu Märklin und damit endlich zur elektrischen Eisenbahn. Von Faller kommt ein wie von Geisterhand die Fernlaster über die Straße führendes System, das die Brummis zum miniaturisierten Roll-on-roll-off auf Rampe und Güterzug führt. Daneben gibt es das Minimodell vom Autounfall, bei dem die Blaulichter von Rettungs- und Notarztwagen wie im richtigen Leben blinken. Keine dreißig Straßenzentimeter weiter stoppt die Polizei Raser mit echt lichtblitzendem Radarkasten.

Seit Jahrzehnten gleich geblieben ist dagegen das von den Modellanlagen vermittelte Bild der Bundesrepublik: Deutschland, das ist schmuckes Fachwerk, die Fleischhauerei Gustav Kohls hinter Gründerzeitfassade und Provinzidylle mit den Bahnhöfen "Güglingen", "Unterbrunn" oder "Wiesental". Die Kunstbäume grünen frischgesund wie eh und je. Nur Fleischmann wagt mit einem Altstadthaus auf seiner Vorführanlage einen Ausbruch aus heiler Modellwelt. Mit Transparenten vor Fassaden im H0-Maßstab holt Hafenstraßen-Wirklichkeit die biedermännische Bravheit im Modell ein: "Hände weg von diesem Haus, wir gehen hier nicht raus".

Was gibt es sonst noch vom "größten Kinderzimmer" der Welt zu erzählen? Erstens: Daß es sämtlichen um pädagogisch hochwertiges Spielzeug bemühten Müttern bis auf den heutigen Tag nicht gelungen ist, all die handspannengroßen Supermen, Gargoyles und Power Rangers, die die Welt gegen Maschinenwesen und galaktische Aliens verteidigen, aus den Kinderzimmern und in den Plastikcontainer zu verbannen. Daß weiterhin jeder Bastler beim Aufbau der Dresdner Frauenkirche mithelfen kann, indem er ihr Modell aus dem Schreiber-Modellbaubogen oder aus Plastik (von Pola) im Eisenbahnmaßstab H0 nachbaut. Beide Firmen spenden einen Teil des Verkaufspreises nach Sachsen.

Ferner gibt es gute Nachricht für die ständig wachsende Fangemeinde der "Siedler von Catan". Für das "Spiel des Jahres 95" kommt ein Ergänzungsset für größere Runden in die Händlerregale. Und für die Gemeinde ganz eingefleischter Cataner will der Kosmos-Verlag das Spiel demnächst sogar via Internet auf einen globusweiten, virtuellen Spieltisch hieven.