Eingemummt in einen metallicfarbenen Veloursledermantel aus der Hippiezeit, tritt Kurt F. einer Anklage wegen Beleidigung entgegen. Seine erblühte Nase verrät, daß er dem Trinken nicht völlig abhold ist. Der Besuch des Badezimmers steht dagegen offensichtlich auch vor einem Termin beim Amtsgericht nicht zwingend auf seinem Tagesplan. Der 61jährige Rentner hat seine fettigen Haare stramm zurück gestriegelt; so viel Aufwand muß reichen.

Im März 1995 wurde Björn Q., Telephonist im Hamburger Rathaus, das Opfer des Angeklagten. Er berichtet, Herr F. habe am Telephon die "GAL-Fraktion, diese Galgenvögel" gewünscht. Das kleine Wortspiel habe er noch ganz erheiternd gefunden und den Anruf weitergeleitet. Die grünen Politiker legten dagegen rasch auf und wollten Kurt F. fortan nicht mehr sprechen. So einfach ließ sich der aber nicht abspeisen, er war gleich wieder in der Leitung. Diesmal wurde Klartext geredet: "Wir sind das Volk, nicht die Negerfreunde von den Grünen", tönte Herr F. an der Strippe. Und weil er gerade so schön am Zuge war, fügte er noch an, bei der SPD gebe es nur "Schweine". Glattweg abstreiten möchte Herr F. seine Schmähungen nicht: "Ich sach man gar nix!"

Durch Auflegen ließ er sich damals nicht mehr abschütteln. Stundenlang war Herr Q. seinem Quälgeist ausgesetzt. Abnehmen mußte er ja, sonst wäre das Rathaus von der Umwelt abgeschnitten gewesen. Also verfiel der entnervte Telephonist auf die Idee, Herrn F. einen Schrecken einzujagen. Mit verstellter Stimme wollte er sagen: "Ja, hier Rathaussicherheit!" Leider rutschte ihm statt dessen: "Hier Staatssicherheit" heraus, und er mußte lachen. Herr F. bemerkte den Schwindel und knöpfte sich Herrn Q. vor: "Ihr freßt und pennt dort nur - und alles auf unsere Kosten. Ihr Arschlöcher! Ihr Wichser!"

Kurt F. muß mächtig in Fahrt gewesen sein, stolz nannte er Namen und Adresse, darum konnte er später vor Gericht geladen werden. Daß er kein Ausländerfeind sei, will er nun "schlüssig" nachweisen. Schließlich habe er sich in den Sechzigern wegen einer Jugoslawin von seiner deutschen Frau getrennt und mache lieber in Afrika Urlaub als im Schwarzwald. Das wäre doch Quatsch, wenn er "so einen Haß auf die Neger hätte". Aber leider ist Herr F. schon einmal verurteilt worden. "Dreitausend Mark" habe man ihmabgeknöpft. Damals sei er von seinen Nachbarn wegen "Ausländerhetze" denunziert worden. Er wolle "ja nun nicht" sagen, er sei Alkoholiker, aber wenn er einen "unter der Mütze habe", könne es schon mal laut werden.

Der Richter winkt ab, um Ausländer gehe es gar nicht, sondern um die "unflätigen Sachen". Da sei doch gar nichts gewesen, das habe er doch nicht "persönlich" gemeint, kräht Herr F. Außerdem habe er das Telephon "abgesetzt", damit er sich nicht weiter "sträflich" machen könne. Und in eine Klinik wolle er auch, weil der "Schnaps allmählich" überhandnehme.

Der Richter ist trotzdem der Meinung, daß ihm die Telephonate 2400 Mark wert sein sollten. Kurt F. ist beeindruckt: Monatliche Raten von 300 Mark könne er nicht "abdrücken", seine "Bekannte" - inzwischen eine Griechin - wolle doch immer mit ihm auf Reisen gehen . . .