Das Problem der Waffen ist: Sie töten. Immer unerträglicher werden zudem die Bilder von den aktuellen Konflikten, wie sie das Fernsehen überträgt, zumal wenn eine der Parteien eine unbewaffnete Menschenmenge ist. Am Ende dieses Jahrtausends antwortet darauf die neue Theorie der "Null-Toten". Dahinter steckt die Vorstellung, daß alle Soldaten der Bündnisfreunde heil zurückkehren und unter den Feinden die Verluste im Verhältnis zur Natur des Konfliktes stehen. Und vielleicht führt sie zur Verwendung von "nichtletalen" Waffen, die nicht mehr töten.

Diese Idee kreist seit Jahren in militärischen Strategiezirkeln, doch erst langsam kommen aus den geheimnisumwitterten amerikanischen Labors exotische Waffen zum Vorschein. Natürlich unterliegen all diese Arbeiten einer fast vollständigen Geheimhaltung. Sie werden finanziert aus dem Reptilienfonds des Pentagons (1996 sind dafür etwa vierzig Millionen Dollar eingeplant) und abgeschirmt gegen diskrete Blicke und parlamentarische Debatten. Gemeinsam ist all diesen Plänen das Ziel, den Gegner zu immobilisieren, vorübergehend unschädlich zu machen.

Da wäre zuerst der direkte Angriff auf den Menschen. Durch Indiskretionen wurde bekannt, daß Labors daran arbeiten, sehr kräftige akustische Impulse mit tiefen Frequenzen zu verwenden. Diese lösen durch die Erschütterungen, die sie im Organismus provozieren, tiefes Unwohlsein aus. Das erinnert an die Experimente von Daniel Düsentrieb. Niemand weiß, wie weit dieses "Unwohlsein" gehen würde . . . Bei ähnlichen Waffen wie etwa den "Lärmkugeln" soll der Krach so betäubend sein, daß die Zielperson praktisch bewußtlos würde.

Einige andere direkte Angriffssysteme mit eher phantastischen Aspekten offenbarten schon bei der Handhabung Schwierigkeiten. Anfang 1995 sollte eine Spezialeinheit des kalifornischen Camp Pendleton den Rückzug pakistanischer und bengalischer Einheiten der Uno in Somalia schützen. Das Problem dabei war, einheimischen, möglicherweise aggressiven Menschenmengen gegenüberzutreten, ohne gleich scharf zu schießen. Die Elitesoldaten dachten an Waffen wie kleine "Bohnensäckchen", die mit Granatenwerfern abgefeuert werden und viel weniger gefährlich sind als Gummikugeln, die einen Menschen aus kurzer Distanz töten können.

Doch die Durchschlagskraft der Bohnen schien zu gering. So bat man das Waffenlabor von Sandia in Albuquerque in Neu-Mexiko um Mitarbeit. Dort schlug man ein Mittel vor, mit dem ursprünglich Nukleareinrichtungen geschützt werden sollten: Schaum. Durch eine klebrig-glitschige Substanz sollte in bedrohten Räumen jegliche Bewegung verhindert werden.

Für Somalia wurden zwei Verfahren für die Anwendung im Freien vorgeschlagen. Die erste Schaumart, kompakt und klebrig, war dazu bestimmt, hitzköpfige Demonstranten lahmzulegen. Die zweite Art wurde aqueous foam genannt - ein Produkt aus Wasser, vermischt mit Reizstoffen, das von Wasserwerfern versprüht werden sollte. Doch diese Waffen, die direkt der Phantasie eines Comiczeichners entsprungen scheinen, wurden während der somalischen Expedition schließlich doch nicht benutzt: Es ist unmöglich, einen eingeschäumten Menschen zu verhaften. Denn die klebrige, eklige Masse, die an einen Fliegenfänger erinnert, hält jeden fest, der sich ihr nähert, sei er Polizist oder Soldat. Abgesehen von der Schwierigkeit, sich aus diesen Verstrickungen zu lösen, hätte sich ein solcher Anblick auch in den Fernsehberichten von CNN nicht gut gemacht. Fazit: Schaum ist gut, muß aber überarbeitet werden.

Bleibt noch, auf klassische Weise, der Angriff auf das Material. Die Chemie, die Biologie und die ganze Vielfalt der Physik von der Elektrizität bis zur Elektronik können dafür eingesetzt werden. Bestimmte ätzende Chemikalien können etwa Panzerungen auflösen und sogar einige Metalle "auffressen". Da gibt es "Gummi-Esser", die einen Reifen in Staub verwandeln.