Nach dem rasanten Anstieg der deutschen Aktien im Januar hat zu Beginn des Februars eine Konsolidierungsphase begonnen. Ausgelöst wurde die Atempause in erster Linie durch einen schwächeren Dollar und durch steigende Zinsen am Rentenmarkt. Wie lange die Konsolidierungsphase anhalten wird, ist bei den Experten umstritten. Tatsächlich hat es auf der ermäßigten Kursbasis bei Aktien und festverzinslichen Papieren inzwischen kursstabilisierende Rückkäufe gegeben. Inwieweit dies nur eine Reaktion auf die Kurseinbrüche vom Wochenbeginn gewesen ist oder ob es sich um Anlagekäufe aus Überzeugung gehandelt hat, war schwer auszumachen. Geringe Umsätze lassen eher auf Skepsis der Käufer schließen.

Einig sind sich die Börsianer, daß der Höhepunkt der Rentenhausse inzwischen erreicht ist. Mit einer Zinswende - so heißt es - sei vorerst jedoch nicht zu rechnen: Die Konjunktur lasse immer noch zu wünschen übrig, und die Bundesbank werde wahrscheinlich in diesem Frühjahr die Zinsschraube weiter lockern.

Aufmerksam verfolgen Experten, daß der abgeschwächte Dollar die Aktien der exportintensiven Unternehmen diesmal nur sehr begrenzt unter Druck gesetzt hat. Die Mehrzahl der Devisenexperten scheint der Ansicht zu sein, daß der am Wochenbeginn eingetretene Rückschlag rasch wieder ausgeglichen wird.

Nach Gewinnmitnahmen, auch durch institutionelle Anleger, hat sich der Daimler-Kurs zunächst einmal stabilisiert. Gleichwohl liegen die Gewinnschätzungen der Analysten für die Jahre 1996 und 1997 noch weit auseinander. Gestört wird der Handel in Daimler-Aktien durch immer neue Gerüchte über eine Kapitalerhöhung. Um sie abzustützen, soll angeblich trotz der sechs Milliarden Mark Konzernverlust für das Geschäftsjahr 1995 eine Dividende gezahlt werden. Wie in den Vorjahren würden die Aktionäre dadurch aus der Substanz bedient.

Eine positive Sonderbewegung verzeichnete die im Pharmabereich und in der Medizintechnik agierende Fresenius AG, die zusammen mit der amerikanischen W. R. Grace & Co das weltweit größte Dialyseunternehmen gründen will. Weiter befestigt hat sich auch die im Vorjahr noch schwer angeschlagene Metallgesellschaft, die für das laufende Geschäftsjahr sogar einen Gewinn von 300 Millionen Mark anpeilt. Einen Rückschlag gab es dagegen für die lange Zeit favorisierten Degussa-Aktien. Grund: Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres meldete das Unternehmen einen Umsatzrückgang um neunzehn Prozent.