Wir lesen: "Das Haus mit seinen Räumen wird mit dem Menschen geboren." Weswegen wir wie von selber nach diesem Satz verlangen: "Der Mensch braucht eine Wohnung, in die er sich zurückziehen kann." Und weiter: "Ohne Wohnung ist man kein funktionierendes Mitglied der Gesellschaft - wer auf der Straße schläft, ist ein Ausgestoßener, ein Aussätziger, ein Obdachloser, ein Gestrandeter, ein potentieller Krimineller." Solche Sätze in dieser klaren, manchmal Umwege, niemals Schnörkel liebenden Sprache von mitunter aphoristischer Prägnanz findet man zuhauf in einem großen schönen (deutsch und englisch sich mitteilenden) Buch mit dem lapidaren Titel "Innenräume". Sein Autor ist, schreibend wie zeichnend, der Architekt Hans Dieter Schaal.

Vielleicht aber hätte ihn dies allein nicht so forschend und animierend über Räume und ihre Bedeutung für den Menschen nachdenken lassen, wenn er nicht auch ein bildender Künstler wäre und, vor allem dies, ein Bühnenbildner von eigenwilligem Format. Wer Bühnen, mithin Räume für menschliche Dramen bildet, lernt sie intensiver als andere kennen, sei es auf Opern- und Theaterbühnen, sei es in Museen und Ausstellungshallen. Man begegnet vielen solcher Beispiele. So philosophiert Hans Dieter Schaal vor und mit uns über Typen, über Psychologie und Poetik des Raumes, durchstreift Räume des (theatralischen) Ausdrucks und des (musealen, aktuellen) Zeigens. Ohne dessen gleich gewahr zu werden, hat man am Ende eine unterhaltsame, erbauliche, anschauliche, sogar spannende Unterweisung absolviert: Die ästhetische Phantasie ist belebt, das Bewußtsein geschärft. Es scheint, als habe Schaal mit den "Innenräumen" fortgesetzt, was er vorher in einem Band von der gleichen Beschaffenheit unternommen hatte: einer geschriebenen und illustrierten Exkursion durch "Neue Landschaftsarchitektur". (Ernst & Sohn Verlag, Berlin 1995; 304 S., über 500 Abb., 98,- DM)