DRESDEN. - Leuchtend gold glänzen die Figuren im Grünen Gewölbe, dunkelgrün ihre Smaragde und feuerrot die Rubine. Kunstvoll aus zahlreichen Edelsteinen zusammengesetzte Verzierungen schmücken Skulpturen aus Elfenbein und Silber. Aufbauten, feinste Arbeiten, die aus Glas oder Muschel sind oder auch aus Holz geschnitzt. Die Schatzkammer mit ihren Schmuckstücken und Preziosen, einzigartig in der Welt, stellt eine der größten Attraktionen der Landeshauptstadt dar. 1560 von Kurfürst August begründet und 1723 von August dem Starken in seine Sammlung integriert, zieht sie heute über eine halbe Million Besucher jährlich an.

Um so schlimmer ist es, daß der Bestand der Sammlung zu verfallen droht. Vor allem solche Figuren und Gegenstände sind betroffen, die aus emailliertem Gold bestehen. "Email ist im Grunde nichts anderes als farbiges Glas, das bei 900 Grad Celsius auf den gerauten Untergrund aufgeschmolzen wird", sagt Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes. Glas und Gold haben jedoch einen unterschiedlichen Ausdehnungskoeffizienten und reagieren daher unterschiedlich auf Luftfeuchtigkeit und Temperaturschwankungen. Zudem altert das Glas im Gegensatz zu seinem wertvollen goldenen Untergrund. Da bei der Herstellung oft nicht auf das richtige Mischungsverhältnis von Quarzsand und alkalischen Mitteln geachtet wurde, bricht es später leicht und bietet eindringender Feuchtigkeit wenig Widerstand. Das Ergebnis: Die farbenfrohen Teile in vornehmlich Grün oder Blau, die Kleiderstücke, Turbane oder Zaumzeug und Sattel markieren, platzen von dem Gold ab. "Die Emailstücke, die wir in den Vitrinen einsammeln, liegen bis zu zwanzig Zentimeter von den Figuren entfernt", sagt Syndram. "Sie müssen mit großer Energie abgesprungen sein."

Betroffen von dem Unglück sind insbesondere die Figuren aus dem Ensemble des "Hofstaats zu Delhi am Geburtstag des Großmoguls Aureng-Zeb". So beispielsweise ein Jagdelefant, der eine glänzendgrüne Decke trägt. Das Gewand sei fast nur mehr golden, erklärt der Museumsdirektor. Beim Hofstaat des Großmoguls, der mit seinen 132 Figuren zweifelsohne ein Glanzstück der Sammlung darstellt, kommt hinzu, daß die einzelnen Figuren beweglich sind und früher leicht umfielen. "Durch wiederholte Erschütterung entsteht im Email eine Krakelee, die das Abplatzen einzelner Teile beschleunigt", sagt Syndram. Entsprechend schadhafte Stellen seien aber auch an anderen Gegenständen aus dem Grünen Gewölbe zu finden, so an Dinglingers goldenem Kaffeeservice oder seinen Prunkschalen.

Bekannt ist das Problem schon lange, doch erst jetzt wurde herausgefunden, was der wahre Grund des Übels ist. Wissenschaftler installierten Meßplättchen sowohl innerhalb der Vitrinen als auch außerhalb. Ein Vergleich beider Werte zeigte, daß die innere Atmosphäre einen hohen Bestandteil an Formaldehyd aufwies. Es war durch eine Spanplatte in die Vitrine gelangt, die zur Stabilisierung zwischen Figuren und Tisch gelegt worden war. Sie ist mit einem Leim zusammengeklebt, der das gefährliche Gas enthält. Durch den Konzentrationsgrad der Luft in den dicht geschlossenen Vitrinen waren die Kunstwerke der schädlichen Atmosphäre besonders stark ausgesetzt.

So zufrieden Syndram mit seiner Entdeckung ist, so hat sie doch unangenehme Folgen. Konsequenterweise müssen jetzt alle Vitrinen "saniert" werden. "Wir werden das Grüne Gewölbe in diesem Jahr wiederholt schließen müssen", sagt der Direktor.