Diese Entwicklung dürfte selbst die kühnsten Marktpropheten ins Staunen versetzen: Noch bevor es in Deutschland mit dem Wettbewerb in der Telekommunikation richtig losgeht, schmieden die potentiellen Rivalen des staatlichen Fernmelderiesen Telekom mächtige Bündnisse. Bundespostminister Wolfgang Bötsch hatte eigentlich den totalen Wettbewerb geplant. Ursprünglich schickten sich denn auch mit Veba, Mannesmann, Thyssen, Viag und dem RWE sowie der Bahn gleich sechs Konzerne an, der Telekom künftig Paroli zu bieten. Seit dieser Woche ist klar: Es werden nur zwei sein.

Der Düsseldorfer Konzern Veba verbündete sich schon im Januar mit Mannesmann. Jetzt verkündeten das RWE und Viag eine enge Kooperation, zu der sich demnächst auch Thyssen gesellen dürfte. Der Grund für diese Konzentration der Kräfte: Für fünf neue Telephongesellschaften erscheint der Markt nicht groß genug. Mangels eigener Erfahrung im komplexen Fernmeldegeschäft schmieden beide Gruppen außerdem noch an Allianzen mit erfahrenen ausländischen Telephonunternehmen wie AT&T oder British Telecom.

Mit Spannung erwarten jetzt alle die Entscheidung von Bahn-Chef Heinz Dürr. Auch er hat eine Telekommunikations-Tochter gegründet, für die er einen Gesellschafter sucht. Die Bahn wird umworben, weil sie - aus alter Tradition - über ein umfangreiches Fernmeldenetz verfügt. Bis Mai will Dürr den Zuschlag erteilen.

Fast hätte Udo Wagner einen in der deutschen Wirtschaft einmaligen Negativ-Rekord aufgestellt: Um ein Haar hätte der neue Vorstandsvorsitzende der Bremer Vulkan Verbund AG Mitte dieser Woche Konkurs für sein Unternehmen anmelden müssen - nach nur siebentägiger Amtszeit.

Völlig überraschend für den Bremer Senat und das Unternehmen hatten sich die kreditgebenden Geldinstitute unter Führung der Commerzbank bis zum späten Dienstag nachmittag geweigert, achtzig Millionen Mark als erste Tranche eines insgesamt 220-Millionen-Mark-Kredits für die Baufinanzierung des Kreuzfahrtschiffes Costa2 auszuzahlen. Die Bürgschaft, die der Bremer Senat dafür als Sicherheit bewilligt hatte, sei, so monierten die Kreditinstitute, möglicherweise nichts wert, da offen sei, ob sie EU-Recht entspreche. Auch der Hinweis der Bonner Regierung, die Bürgschaftsvergabe sei korrekt, ließ die Banken zunächst kalt. Im Bundeswirtschaftsministerium gab es für diese Haltung nur eine plausible Erklärung: "Die Banken wollen da raus."

Daraus machen Bankenkreise inzwischen kaum noch einen Hehl. Doch auf Vermittlung der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau, die ebenfalls im Konsortium vertreten ist, wurde am Dienstag der "größte anzunehmende Unfall" (IG Metall) in letzter Minute doch noch verhindert. Aus dem Schneider ist der Bremer Vulkan damit noch nicht. Brüssel prüft zur Zeit die Verwendung von 800 Millionen Mark, die die Ostwerften des Unternehmens als Subvention erhalten haben. Sollte da nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein, könnte die Kommission die Zurückzahlung fordern - und das Geld hat der Vulkan nicht.

Ein Notarzt soll es jetzt richten: Gilbert Amelio, bis vor kurzem Chef des amerikanischen Chipherstellers :National Semiconductor. Aber es ist nicht sicher, ob der Topmanager den schwer angeschlagenen Patienten noch retten kann: Apple, den gebeutelten Computerbauer aus Kalifornien.