Deutschsprachige Erzähler" hieß mein erstes deutsches Buch, das ich vor ein paar Jahren in einem Antiquariat in Berlin-Mitte kaufte. Die Auswahl der Erzählungen "Von Hauptmann bis Kafka" hatte die Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung Leipzig 1982 besorgt. Meine Lust, das Buch zu lesen, erkaltete schnell. Die erste Erzählung der Sammlung, "Fasching", was mein Wörterbuch mit dem fröhlichen carnevale übersetzte, hat nicht Wort gehalten. Die Geschichte endet mit drei Leichen: Mutter, Vater und Kind werden aus dem Wasser gezogen. Eine vierte Leiche, die der Oma, wartet zu Haus.

Die Familie Kielblock war über den zugefrorenen See gelaufen, um Fasching im Dorf zu feiern, aber auf dem Weg zurück hatten sie kein Eisvergnügen. Die Decke hielt nicht, das Wasser verschluckte Mutter und Kind, den Vater zuletzt: "Er fühlte, wie ein Etwas sich von unten her um ihn klammerte; erst griff es seinen Fuß - nun umschnürte es seine Beine - bis zum Herzen kam es herauf - sein Blick verglaste - seine Hände glitten ab - er sank - dumpfes fernes Brausen - ein Gewirr von Bildern und Gedanken - dann - der Tod." (Das Schicksal der Großmutter soll uns hier nicht weiter beschäftigen; sie war, versichert Hauptmann, ohnehin "steinalt".) Die Novelle geht auf eine Zeitungsnotiz vom 15. Februar 1887 zurück. Die Literatur - Spiegel des Lebens.

Piano, piano. Nicht so schnell. Das Leben in Deutschland kann fröhlicher und bezaubernder sein als die Literatur, selbst im Winter.

Ist es nicht ein Wunder, wie mitten in den Städten gläserne Piazzen erscheinen? Wo Wasser, Stockenten und Segelboote waren, liegt plötzlich ein Eispflaster, und alles eilt herbei.

Der winterliche Frost wie die sommerliche Hitze rühren das deutsche Gemüt, das die Herausforderung sucht. Wenn die Sonne scheint, alles ausziehen; wenn Wald in der Nähe ist, wandern bis zur Erschöpfung; wenn es friert, raus aufs Eis!

Ich ging letzte Woche auf der Hamburger Alster wie auf Kichererbsen, als ein älterer Herr auf Schlittschuhen an mir vorbeischwankte. Offensichtlich ein Anfänger. "Ich bewundere ihn!" kommentierte eine alte Dame, die auf der rutschigen Oberfläche wie eine Göttin einherschritt: Tethys, die Oma der Gewässer.

Sie war zu schnell und schon wieder fort, sonst hätte ich ihr gesagt, daß ich auch sie bewundere.