In Reiseführern finden sich immer wieder Formulierungen, die zu Mißverständnissen führen können oder Vorurteile schüren. Die deutsche Unesco-Kommission will nun Verleger, Autoren und Leser für diese Mängel sensibilisieren.

Das Geschäft boomt: Reiseführer gehören nicht zuletzt dank der ungebrochenen Urlaubslust der Deutschen zu den großen Gewinnern auf dem Büchermarkt. Neben der Beschreibung touristischer Attraktionen und praktischen Tips bieten die meisten Publikationen mehr oder minder umfangreiche Hintergrundinformationen, mit denen sie dem Leser das jeweilige Urlaubsziel, dessen Kultur sowie die Lebensweise seiner Menschen näherbringen wollen.

Nach Ansicht von Peter Canisius, dem Präsidenten der deutschen Unesco-Kommission, erfüllen viele Veröffentlichungen gerade diesen Anspruch jedoch nicht - sondern erreichen durch Unkenntnis oder mangelndes Fingerspitzengefühl das Gegenteil. "Man muß sich wundern, wieviel Blödsinn da oft zu finden ist", bringt Canisius seine Kritik auf den Punkt, "in vielen Führern wimmelt es von Sätzen, die einfach falsch oder mißverständlich sind, Vorurteile schüren und andere Menschen verletzen können."

Nach diesen Mängeln fahndet die deutsche Sektion der Weltkulturorganisation nun in einem bisher einmaligen Projekt: In den nächsten Jahren will sie Reiseführer aller Art nach falschen oder fragwürdigen Darstellungen und Formulierungen durchforsten. Verleger, Autoren und Leser sollen so sensibilisiert - und die Mängel bei künftigen Publikationen möglichst vermieden werden.

Im ersten Schritt geht es um deutsch-polnische Veröffentlichungen: Gemeinsam mit ihrer polnischen Schwesterorganisation will die deutsche Unesco-Kommission untersuchen, welches Polenbild in deutschen Reiseführern vermittelt wird - und wie polnische Publikationen Deutschland und die Deutschen sehen. Diese erste "Mängelanalyse" orientiert sich bewußt am Vorbild der "Schulbuchkommissionen", die schon vor Jahren in deutschen und polnischen Lehrbüchern zahlreiche Fehler und Vorurteile korrigiert haben.

Wie notwendig dies auch bei Reiseführern ist, zeigt nach Ansicht von Peter Canisius schon ein erster Blick in hiesige Veröffentlichungen. Eine Formulierung wie die, "daß die deutschen Ritter, die gen Osten zogen, dort erst einmal Ordnung geschaffen haben", lasse für ihn neben historischem Sachverstand vor allem jede Sensibilität für die leidvolle deutsch-polnische Vergangenheit und das noch immer komplizierte Verhältnis zwischen den beiden Staaten vermissen. Diese und ähnliche Formulierungen sollen nun zunächst zusammengestellt und mit Verlegern und Autoren diskutiert werden. Am Ende wollen die beiden Kommissionen einen "Leitfaden" herausgeben, der künftig zumindest die gängigsten und gröbsten Fehler, Vorurteile und Mißverständnisse vermeiden helfen soll.

Daß die "Mängelanalyse" selber mißverstanden werden könnte - etwa als Versuch, nun auch Reiseführern die vielzitierte Political Correctness zu verordnen -, befürchtet Canisius nicht und sieht sich dabei durch erste Gespräche mit Reisebuchverlagen bestätigt: "Viele Verleger haben ihre Mitarbeit bereits zugesagt." Und auch bei den Lesern hofft der Präsident der Unesco-Kommission auf die Bereitschaft, das aufwendige Projekt zu honorieren. Dieser Bereitschaft könne, so Canisius, notfalls auch etwas nachgeholfen werden - zum Beispiel durch eine Art Gütesiegel, das sachlich genaue und vorurteilsfreie Reiseführer besonders zum Kauf empfehle . . .