HAMBURG. - Nur wenn sie die "billigste Fahrkarte eines regelmäßig verkehrenden Beförderungsmittels" lösen, bekommen sie von der Behörde die Kosten dafür auch erstattet. Es geht um Hamburger Steuerbeamte, in der Regel Steuerräte des gehobenen Dienstes, die sich freiwillig nach Mecklenburg-Vorpommern schicken lassen, um dort Betriebe zu prüfen, in Stralsund, Rostock, Anklam oder Pasewalk, oft auch auf dem platten Land. Benutzen sie ihr eigenes Auto, um von Hamburg aus dort hinzugelangen, so werden ihnen diese Fahrten wie auch die Heimfahrt am Wochenende nicht mehr, wie bisher, ersetzt. Bislang bekamen sie 46 Pfennig pro Kilometer.

Die Prüfer sind sauer und verstehen nicht, warum die Behörde ihnen ihre Arbeit so erschwert und verleidet. Die Aufwandsentschädigung, die sie erhalten, ist so hoch nicht, als daß sie sich dort eine goldene Nase verdienen könnten. Sie beträgt maximal 800 Mark pro Monat. Und den eigenen Wagen brauchen sie, um in dem Flächenland beweglich zu sein und nicht zuletzt ihr Handwerkszeug - Kommentare, Gesetzessammlungen, Verordnungen - mitzuschleppen. Und was schließlich das entscheidende ist: Die billigste Fahrkarte steht in keinem Verhältnis zu dem Ertrag, den ein Betriebsprüfer in die staatlichen Kassen schaufelt.

Unter Experten gelten die neuen Bundesländer - noch - als ausgesprochene Steueroasen. Abzocker und findige Steueranwälte haben dort ihre Spielwiese entdeckt. Weder Sachsen-Anhalt noch Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern haben bisher ausreichend Betriebsprüfer, die das fachliche Können besitzen, dem steuerlichen Unwesen ein Ende zu bereiten. Die Länder werden noch für eine längere Zeit auf die Unterstützung erfahrener Kollegen aus der alten Bundesrepublik angewiesen sein. Doch diese Hilfe ist freiwillig. Kein Landesbeamter kann dazu gezwungen werden, im Osten Aufbauhilfe zu leisten. Gegen ihren Willen können sie nicht versetzt werden.

Was also bleibt unterm Strich? Ein erfahrener Betriebsprüfer holt locker in den neuen Bundesländern bei einer Prüfung mehrere hunderttausend Mark an Steuern in die Finanzkasse. Da sind 46 Pfennig Kilometergeld nicht einmal Peanuts.