Auch Wochen nach seinem Tod wird es nicht ruhig um François Mitterrand. Durfte ein Pariser Gericht das Enthüllungsbuch des präsidialen Leibarztes verbieten? Der Verlag nimmt das erstinstanzliche Urteil nicht kampflos hin. Wie immer der Rechtsstreit ausgeht: Doktor Gublers Text ist im Internet problemlos einzusehen. Ungeklärt ist vorderhand auch: Wer hat Mitterrand auf dem Totenbett abgelichtet und das Photo anschließend der Illustrierten Paris-Match verkauft? Die Journalisten kommen diesmal als Sündenbock nicht in Frage. Sie hatten keinen Zugang zu dem Toten. Jemand aus dem Familien- oder Freundeskreis muß der Täter sein . . . Noch tappen die Ermittler im dunkeln. Zwei Mitglieder aus der engeren Entourage des Verstorbenen gelten indes als absolut unverdächtig: des Präsidenten ehemaliger Berater Jacques Attali, der zum Kondolenzbesuch nicht erwünscht war, nachdem er voriges Jahr Vertrauliches aus der Ära Mitterrand veröffentlicht hatte; und der überaus medienbewußte Ex-Kulturminister Jack Lang. Hätte er, so wissen Lang-Kenner, dieses Sensationsphoto geschossen, dann würde er dafür gesorgt haben, selbst mit auf dem Bild zu sein.

Führers Geburtstag

Wladimir Shirinowskij, Führer der russischen Rechten und Kandidat für die Präsidentenwahlen im Juni, wird fünfzig - und kein bißchen leise. Der Brandredner im Europarat, der sich auf Reisen gelegentlich mit einem Pornostar ablichten läßt, wird nun die Hochzeitsglocken läuten lassen. Wie das Organisationskomitee zur Ausgestaltung seines Geburtstages am 25. April mitteilt, beginnen die Feierlichkeiten schon am kommenden Sonntag mit der kirchlichen Trauung Shirinowskijs und seiner Frau Galina aus Anlaß ihrer Silberhochzeit. Zum illustren Kreis, an den Shirinowskijs LDPR Einladungen ergehen ließ, gehören der russische Patriarch Alexii II., der oberste Mufti Rawil Gajnutdinow und die Vatikanspitze. Seinen weltlichen Höhepunkt erreicht des LDPR-Führers Geburtstag am 27. April. Für diesen Tag will seine Partei 60 000 Jugendliche zu einem "Volks-Disco Tanzfeld" in Moskau mobilisieren.

Berichtigung

In die Ausgabe der vergangenen Woche hat sich ein Fehler geschlichen. Im Artikel "Am liebsten abschirmen" hieß es zu den Plänen der ausländerpolitischen Reformer: "Automatisch erwirbt die deutsche Staatsangehörigkeit, wer im Lande geboren wird oder wessen Eltern - beziehungsweise einer von beiden - dauerhaft im Land leben." Korrekt lautet der Satz: "Automatisch erwirbt die deutsche Staatsangehörigkeit, wer im Lande geboren ist und wessen Vater oder Mutter dauerhaft hier lebt."