Öger und Birgen suchten im Sommer vergangenen Jahres einen deutschen Partner, der ihnen die Tür zur "DomRep" öffnete. Daß sie ihn in der Neu-Isenburger Ratioflug rasch fanden, verdanken sie einem Tip des Bundesverkehrsministeriums, so Werner Netek, der Geschäftsführer von Ratioflug. Weil LTU, Condor und Co. in Bonn gegen den unliebsamen türkischen Wettbewerber im lukrativen Fernreisemarkt protestierten, wurde der Mini-Airline Ratioflug nur eine auf sechs Monate befristete Genehmigung erteilt, mit Birgenair-Maschinen nach Puerto Plata zu starten.

Noch vor Ablauf des halben Jahres hatten Öger und Birgen einen neuen juristischen Winkelzug erdacht, sich abermals günstiger mit Flugrechten in die DomRep zu versorgen. Sie hatten das dominikanische Unternehmen Alas Nacionales aufgetan, das zwar keine Flugzeuge, wohl aber eine internationale Fluglizenz besaß. Die hatte laut Hamburger Morgenpost der Finne Matti Puhakka für 100 000 Dollar bekommen. Schnell wurde man sich einig und garantierte dem Finnen und weiteren "sechs dominikanischen Gesellschaftern" für jeden eingeflogenen Passagier eine Gebühr von rund zehn Mark.

Am 25. Oktober waren die Verträge unterschrieben und ein Flugzeug der Birgenair als HI-660CA im Register der Dominikanischen Republik eingetragen. Schon nach einer Woche nahm die noch nach Farbe riechende Boeing 767-200 von Alas Nacionales im neuen Design den exklusiven Charterdienst für Öger Tours auf - am Seitenleitwerk noch die beiden weißen Schwingen auf rotem Grund von Birgenair. Sie war, weit gereist, über Kuwait Airways, Egyptair, Qatar Airways und Polynesian Airways erst im Mai 1995 bei Birgenair gelandet. Dienst an Bord von Alas Nacionales schieben seitdem hauptsächlich türkische Stewardessen und Piloten, gekleidet in die Borduniformen von Birgenair. Neuer Chefpilot von Alas Nacionales: der Deutschtürke Peter Dirim, einer der mutigen Flugzeugführer von Birgens erster Maschine, jener klapprigen DC 8, die Anfang 1994 in Prag notgelandet war.

Als die 767 am Dienstag vergangener Woche, dem Vorabend des Unglückstages, wegen einer defekten Hydraulikpumpe ihren Dienst versagte,

war Birgens 757 "zufällig" gleich zur Stelle. Sie sei, läßt Öger mitteilen, von der amerikanischen Staf Air seit November für Flüge von der Dominikanischen Republik nach Buenos Aires gechartert worden. Die deutsche Pilotenvereinigung Cockpit warnte vor kurzem nicht nur vor dem "Schrott am Himmel", sondern auch vor dem "Erschleichen von Verkehrsrechten". Doch die Exoten wehren sich. Nur durch derartige Konstruktionen sei es möglich, der übermächtigen Konkurrenz von Condor, LTU oder Hapag Lloyd zu begegnen, und einen größeren Teil der Tourismuseinnahmen im Zielland zu behalten. Der Flugmanager eines großen deutschen Veranstalters: "Unter dem Vorwand der Sicherheit werden handfeste kommerzielle Interessen verfolgt. Die Großen versuchen jetzt, die kleinen Exoten abzuschießen".

Die Connection Öger/Birgen ist durchaus kein Einzelfall für die Zusammenarbeit exotischer Airlines mit aufstrebenden Veranstaltern, die versuchen, mit Billigpreisen den Markt der Dominikanischen Republik zu erschließen.

Die mexikanische Taesa beispielsweise bedient sich der Verkehrsrechte von Domenicana, die seit fünf Jahren selbst nicht ein einziges flugtaugliches Gerät besitzt. Weltweit ist die zwischen Deutschland, der Dominikanischen Republik und Mexiko pendelnde DC 10 des Unternehmens das einzige Flugzeug, auf dessen Rumpf die Firmenzeichen zweier Airlines prangen: Domenicana und Taesa. In Deutschland arbeitet unter anderem der 1995 vom Handelskonzern Rewe übernommene Kölner Veranstalter ITS intensiv mit "beiden" Gesellschaften zusammen.