Das Nachtleben hingegen bleibt italienisch geprägt. Das erweist sich schon an den Öffnungszeiten der Clubs und Diskotheken. Sie zeugen von mediterranen Lebensgewohnheiten, denn meistens tanzt hier erst nach Mitternacht der Bär. Zur mitteleuropäischen Cocktailstunde aber muß sich der Fremde an der Bar oft einsam fühlen. Sein neidvoller Blick kann dann auf die italienischen Gäste fallen, die sich im abgeschotteten Freundes- oder Familienkreis Palaver und Gesellschaftsspielen hingeben. Gelegenheit zu intensiverem Kontakt aber ergibt sich in den Schneekatzen. Wenn Arnoldo die Gäste in seinem Raupenfahrzeug zum nächtlichen Mahl auf die Berge fährt, sorgt schon die Enge für europäische Intimität.

In Gruppen scheinen die Italiener ohnehin gern in den Schnee zu verreisen. Ob Lions, Apotheker oder Kardiologen - der rührige Touristikdirektor Gastone Rossi nennt nicht ohne Stolz die spesenbewehrten Scharen, die seine Gemeinde beehren. Einmal im Jahr bringen sie gar nostalgischen Glanz in die Berge. Beim Carnevale Asburgico im ehrwürdigen Jugendstilsaal des Malers Gottfried Hofer feiert die k. u. k. Monarchie fröhliche Auferstehung. Unter den huldvollen Blicken von Sisi und Franz Joseph tanzen die Ballgäste in zeitgenössischen Kostümen und vergessen, daß einstmals Feindschaft mit den Herrschaften bestand. Die Dorfbewohner wollen sich daran ohnehin nicht erinnern. Sie sind dankbar, daß ihnen - einem Ondit zufolge - der Kaiser höchstselbst nach einem seiner Sommerbesuche einen illegitimen Sohn hinterließ. Der Sproß, genannt Franz Joseph Österreicher, baute nicht nur den Hofer-Saal, er säte auch den ersten touristischen Samen im Rendenatal.

Glückliches Österreich, pardon, Italien, das an diesem Ort von den Vorzügen zweier Welten lebt. Allein unter Italienern Ski zu fahren mag zwar gelegentlich zum Autismus führen, aber es hat seine Reize. Verschont von Gipfelstürmern, Jagertee und Berggesängen können sensiblere Skifahrer ihren Urlaub entspannt genießen. Neben all den anderen Attraktionen werden sie in Madonna die Campiglio vor allem fast immer das finden, was sie zur Freude und Erholung am dringendsten brauchen: Schnee.

Informationen:

Unterkunft: Je nach Ausstattung der Hotels kosten sieben Tage Vollpension bis Ende März für eine Person im Doppelzimmer von 500 Mark an. Für den Zeitraum vom 31. März bis zum 10. April muß man für sieben Tage Vollpension mit mindestens 1100 Mark rechnen. Der Skipaß für sieben Tage kostet umgerechnet 210 Mark.