Ron Bass sitzt im Himmel. Zumindest ist er nahe dran. Durch die Glaswände seines elysischen Büros dringt das dunstige Blau des kalifornischen Morgens. Baumwipfel drängeln sich von allen Seiten heran. An diesem Platz erledigt der 53jährige Autor sein tägliches Pensum an Seiten. Sofern er sich dazu nicht in die einsamen Parks von Los Angeles zurückzieht.

Nicht nur die Bedingungen sind paradiesisch. Auch der Vorgang des Schreibens selbst ist für Ron Bass das reinste Idyll: "Es ist die schönste Sache der Welt. Ich denke den ganzen Tag über das Leben nach - ein wundervoller Luxus."

Das Eigenartige daran: Bass arbeitet für eine Industrie, die solchen Luxus eigentlich nicht zuläßt, in der sich die Eigenständigkeit eines Autors und seiner Visionen schönstenfalls als fromme Utopie darstellt. Dennoch ist Ron Bass einer der erfolgreichsten Drehbuchautoren Hollywoods.

Sein Marktpreis für Skripts, die er als Auftragsarbeiten verfaßt, liegt inzwischen bei über 750 000 Dollar. Acht seiner Werke wurden bisher verfilmt, darunter "Rain Man", für dessen Drehbuch er 1988 zusammen mit Koschreiber Barry Morrow den Oscar erhielt. Diven wie Michelle Pfeiffer (in "Dangerous Minds"), Meg Ryan ("When a Man Loves a Woman") und Julia Roberts ("Der Feind in meinem Bett") hat Ron Bass seine Worte in den Mund gelegt.

Mit seinem neuesten Werk, der Verfilmung von Terry McMillans Bestseller "Waiting to Exhale" ("Warten auf Mr. Right", in diesen Tagen auch in deutsche Kinos gekommen), begründete er gleich ein neues Kinogenre: die Schwarze-Frauen-Soap-Opera. Der Film, Überraschungshit des amerikanischen Kinowinters, war führenden US-Blättern von der New York Times bis zu Variety erstaunte Kommentare und Leitartikel wert.

Die industriell organisierten Massenphänomene und der einsame Denker über den Baumkronen - sie scheinen nicht zusammenzupassen. Doch Bass leidet unter diesem Widerspruch nicht. Er verweigert sich auch dem Chor der Autorenkollegen, die darüber lamentieren, wie skrupellos Hollywood ihre Ideen verzerre.

Zwar erkennt er den Konflikt, aber er umgeht ihn. Indem er wechselweise zwei Rollen spielt: die des autonomen Künstlers und die des kompromißbereiten Vertragspartners. Die beiden Parts sind zeitlich voneinander getrennt. Solange er an der ersten Fassung eines Drehbuchs arbeite, sagt Bass, agiere er wie ein Romanautor, der volle Kontrolle über sein Werk habe. Dann sei das eigenständige Schreiben vorbei, und der Prozeß des Filmemachers setze ein. Darin wird Bass zum Mannschaftsspieler, der sich freiwillig Regisseur und Geldgebern unterordnet.