Während an der New Yorker Börse der Dow Jones sich immer noch im Aufwind befindet und erstmals in seiner Geschichte die Marke von 5600 übersprungen hat, verharrt der deutsche Aktienmarkt in seiner Konsolidierungsphase. Die noch im Januar recht massiven Käufe ausländischer Anleger sind zurückgegangen, und die inländischen institutionellen Investoren, vor allem die Aktienfonds, scheuen sich, auf der jetzt erreichten Kursbasis neue Engagements einzugehen. Sie neigen eher dazu, bei steigenden Notierungen Gewinne zu realisieren. Die Umsätze, selbst in Standardaktien, blieben deshalb gering. Lebhafter war das Geschäft zeitweise allerdings in Siemens-Aktien, die nach wie vor auf das Interesse größerer Anleger stoßen und mit Kursen von zeitweise über 850 Mark historische Höchststände erreichten.

Da sich beim Dollar keine neuen Höhenflüge einstellten, hat die Kaufneigung für Aktien exportstarker Unternehmen nachgelassen. Das war am deutlichsten im Großchemiebereich zu merken. Daran änderte auch die Bayer-Ankündigung nichts, für 1995 eine aufgestockte Dividende zu zahlen. Damit hatte die Börse schon seit Monaten fest gerechnet, ebenso mit höheren Ausschüttungen bei BASF und Hoechst.

Meinungskäufe gab es weiterhin in den Autoaktien, in jüngster Zeit vor allem bei BMW und VW, während der Daimler-Kurs nicht mehr so recht vorankam. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß er seit dem Jahresultimo um knapp hundert Mark zugelegt hat, obwohl der Daimler-Konzern inzwischen einen Verlustvortrag von rund zehn Milliarden Mark vor sich herschiebt. Die Börsianer stellen dazu bissig fest, daß Daimler wenigstens auf Jahre hinaus keine Gewinnsteuern zu bezahlen habe.

Der Rentenmarkt hat sich von den leichten Rückschlägen der Vorwoche wieder erholt, wird aber weiterhin von der Frage beherrscht: Wann kommt die Zinswende? Die Rentenfonds sind dabei, die durchschnittlichen Laufzeiten der in ihren Portefeuilles befindlichen Papiere weiter zurückzufahren. Unter diesen Umständen findet die neue sechsprozentige Bundesanleihe mit ihrer zehnjährigen Laufzeit zwar keinen reißenden Absatz, aber es besteht durchaus die Aussicht, einen größeren Teil davon im Ausland plazieren zu können.