Was ist der Unterschied zwischen dem Kabinett Kohl und dem Waschmittelkonzern Henkel? Letzterer verfügt über größere Werbeetats. Der Bonner Regierungssprecher Peter Hausmann schreckt jedenfalls vor einem Vergleich mit dem Düsseldorfer Unternehmen nicht zurück, wenn er auf die geplante Aufklärungskampagne für die Gemeinschaftswährung Euro angesprochen wird: Henkel habe sich das Marketing für sein Produkt Megaperls immerhin 35 Millionen Mark kosten lassen, während das Bundespresseamt für Informationen über das neue Euro-Geld gerade einmal die Hälfte dieses Betrages ausgeben dürfe.

Am Geld dürfte es trotzdem nicht liegen, wenn Bonn nicht in die Gänge kommt. Ursprünglich wollte das Presseamt bereits seit Jahresbeginn die Werbetrommel für den Euro rühren. Dann wurde der Start der Kampagne auf Ende März verschoben - wobei allerdings das Presseamt die Vermutung zurückweist, dies hänge mit den bevorstehenden Landtagswahlen zusammen. Nunmehr deutet sich ein weiterer Aufschub auf die Zeit nach Ostern an. Offenbar braucht die beauftragte Werbeagentur von Mannstein mit ihrer Arbeit länger als erwartet.

Doch gleichgültig, ob politisch motiviert oder technisch bedingt - die Verzögerungen zeigen, daß Bonn dem Projekt keinen allzu großen Stellenwert beimißt, obwohl eine breite Aufklärung über die Währungsunion längst überfällig ist. Ein Bankenvertreter findet es geradezu "erschütternd", daß die Bundesregierung immer noch kein Konzept für die geplante Werbe- und PR-Kampagne vorlegen konnte. Zwar hat das Bundespresseamt diverse Unternehmens- und Finanzverbände zu Gesprächen geladen, um das weitere Vorgehen abzustimmen, doch bislang brachten diese Kränzchen keine greifbaren Ergebnisse. So wird es, was eigentlich angemessen wäre, wohl weder einen einheitlichen Slogan noch ein gemeinsames Logo für den Euro geben.

Die Verantwortlichen haben offenbar die Bedeutung der Aufgabe bislang noch nicht erkannt. Schließlich geht es darum, die Deutschen auf den Abschied von ihrem Nationalheiligtum, der D-Mark, vorzubereiten - ein Unterfangen, das angesichts der Sorgen und Ängste der Bevölkerung höchste Anforderungen an die Kommunikation stellt. Statt dessen werden eingetretene Marketingpfade beschritten: ein bißchen Werbung, ergänzt um PR-Aktionen.

Sparkassenpräsident Horst Köhler scheint seine Warnung - "Bitte keine Waschmittelreklame!"- in den Wind gesprochen zu haben. Darauf deuten jedenfalls die Werbebotschaften hin, die die Agentur von Mannstein für das Bundespresseamt kreiert hat: Mit platten Slogans wie "Europa - weil's vernünftig ist" oder "Euro - Wertvolle(r) Zukunft" dürften die Bedenken der Bevölkerungsmehrheit wohl kaum zu zerstreuen sein. Wie wenig die Bonner Strategen selbst von der Währungsunion überzeugt sind, zeigt auch, daß sie nicht den Euro in den Mittelpunkt der Werbung stellen wollen, sondern eine sogenannte Sandwich-Kampagne planen: Die ökonomischen Aussagen sollen zwischen politischen verpackt werden - der Big Mäc für Europa.

Dabei mangelt es nicht an alternativen Vorschlägen. Der Frankfurter PR-Experte Rupert Ahrens hält eine Kommunikationsstrategie für erforderlich, die eine Debatte über den Euro anstößt, und zwar nicht auf Podien, sondern im Alltag der Menschen: "Nur wenn sich viele mit dem Euro beschäftigen, und zwar in einer für sie relevanten Weise, haben wir eine Chance, die emotionale Blockade gegen den Euro abzubauen."