Bonn Zustimmung ist das eine. Zustimmung das andere. Einer, der das erklären kann, ist der CDU-Jungpolitiker Eckart von Klaeden. Doch zunächst die Vorgeschichte. Am vergangenen Donnerstag präsentierten die Grünen einen Antrag zur Reform des Staatsangehörigkeitsrechts, der sich gesprächshalber breiter Zustimmung erfreute: Die Bundesregierung, hieß es im Antrag, möge einen Gesetzentwurf vorlegen, der Einbürgerungen erleichtert, auch unter Hinnahme doppelter Staatsangehörigkeiten; er möge ergänzend das Territorialprinzip einführen, also die automatische Staatsangehörigkeit für hier geborene Kinder ausländischer Eltern. Diese Veränderung wollen viele, nicht nur die Opposition, auch die FDP und Teile der CDU.

Aus der Zustimmung wurde eine Abstimmung - und aus der Abstimmung eine Ablehnung. Sechs Jastimmen fehlten aus der Koalition, darunter die ausgewiesener Reformfreunde wie Cornelia Schmalz-Jacobsen, der Ausländerbeauftragten der Bundesregierung, Burkhard Hirsch, Heiner Geißler - und der christdemokratischen "jungen Wilden" um Peter Altmaier, Norbert Röttgen und eben Eckart von Klaeden.

Warum sagten sie nein? Die Ausländerbeauftragte erklärte das mit Erich Kästner: "Was auch immer geschieht / nie dürft ihr so tief sinken / von dem Kakao, durch den man euch zieht / auch noch zu trinken." Mit anderen Worten: Sie ist zwar für den Antrag der Grünen, muß ihn aber ablehnen, weil er mit der Absicht eingebracht wurde, die Koalition in ihrer Zerstrittenheit vorzuführen. Bonner Dialektik. Und parlamentarischer Brauch: "Wer das nicht kapiert", heißt es in der FDP, "hat das politische System nicht begriffen."

Altprofis mögen so reden. Aber die Jungen? Findet es zum Beispiel Eckart von Klaeden, seit fünfzehn Monaten im Bundestag, normal, gegen das Gewissen und für die Parteiraison zu stimmen? "Der Antrag hatte alle Eigenschaften eines Oppositionsvorstoßes", urteilt er abgeklärt: "Er sollte Unruhe in der Koalition stiften." Der Rechtspolitiker, mit dreißig Jahren jüngster CDU-Abgeordneter, begreift sich als Pragmatiker. Eine "Gewissensfrage" vermochte er am Donnerstag beim besten Gewissen nicht zu erkennen, auch wenn es "einen Moment des Innehaltens" gegeben habe.

Anders war das im November, als Grüne und SPD im Bundestag verlangten, den iranischen Außenminister Welajati von der Islamkonferenz auszuladen. Damals stimmte er mit vier Dutzend Abtrünnigen für den Oppositionsantrag - und nahm die Düpierung des Außenministers in Kauf.

Gewissen ist also das eine. Gewissen das andere? "Nein, im November ging es darum, das deutsch-israelische Verhältnis nicht zu beschädigen", sagt er etwas staatstragend, "aber am Donnerstag? Da standen wir lediglich vor der Frage, welchen Weg wir zu einer vernünftigen Reform einschlagen." Seit Monaten streitet von Klaeden für eine Gesetzesänderung im Sinne des Grünen-Antrags, in Einzelfragen will er sogar darüber hinausgehen. Aber das Projekt soll nun mal in und mit der Regierungskoalition verwirklicht werden. "Man muß sich gerade bei der Ausländerpolitik um ein hohes Maß an Zustimmung bemühen, auch innerhalb der konservativen Klientel", sagt er. Zustimmung, da ist sie wieder.

Unverdrossen hält er an der Hoffnung fest, die Hardliner in der eigenen Fraktion zu überzeugen. Immerhin, Teilerfolge haben die jungen CDUler schon vorzuweisen - aber wird es mit dieser Koalition je zu einer Gesamtlösung kommen?