ZDF, Dienstag, 6. Februar: "Nur mit der Waffe kann ich leben" ARD, Donnerstag, 8. Februar: "Im Zweifel für Gewalt?"

Es ist zu begrüßen, wenn öffentlich-rechtliche Sender wie Radio Bremen und ORB sich daran erinnern, daß man mittels Kamera auch diskutieren kann. Aber heutzutage, wo die ästhetischen Maßstäbe - im Guten wie im Schlechten - aus der Werbung kommen, muß die Frage nach dem Wie unbedingt neu gestellt werden.

Einst, in den ruhigen Zeiten vor Anbruch des Kommerzfernsehens, genügte es, für eine Sendung über ein Reizthema wie "Gewalt" eine Riege von Experten zu befragen, die vor einem Bücherregal kleine Referate über den Zustand der Welt hielten, und alle waren zufrieden. Heute ist das anders. Nicht weil es keine Experten mehr gäbe, die Bündiges über den Zustand der Welt zu sagen wüßten, sondern weil die Ausdifferenzierung der Medien zu weit fortgeschritten ist, als daß man es immer noch so machen könnte wie einst.

Wer sich für Horst-Eberhard Richters Meinung interessiert, liest seine Bücher, und wer zum Thema "Gewalt" fernsieht, will Bilder: kühne Reportagen von Krisenherden und historische Fundstücke. Er will intelligente Kommentare zu dem, was er sieht, und keine Allerweltsstatements von Dorothee Sölle.

Die Reportage von Helmut Frauendorfer und Gerhard Widmer zur Frage "Im Zweifel für Gewalt?" mischte mit erschütternder Beliebigkeit Interview-Fetzen von Altbischof Forck bis zu Hans Koschnick; von Pankower Oberschülern bis zu Studenten aus Sarajevo, von Rudi Dutschke bis zu Sabine Fehrenschild (Pax Christi). Die Filmemacher scheint während der Arbeit ein wahrer Furor ergriffen zu haben: Alle können etwas sagen - warum lassen wir dann nicht alle zu Wort kommen?

Nach dem katholischen Militärpfarrer den evangelischen, nach dem Pressesprecher der Bundeswehr das Jahrestreffen der Aktion Sühnezeichen und nach einem bosniakischen Lyriker einen Hamburger Choreographen.

Versteht sich, daß Heiner Geißler nicht fehlen darf, und wie war das mit Pfarrer Albertz und mit Joschka Fischer? Schwer zu glauben, daß auch nur zwei aus diesem Reigen dasselbe meinen, wenn sie das Wort "Gewalt" aussprechen. - Das war bunt, aber sinnlos und keinesfalls a jour. Es war die überholte Masche, nur schneller geschnitten.