Washington, D. C. Wenn einer unter den republikanischen Präsidentschaftsbewerbern das Zeug hat, Bill Clinton zu schlagen, dann ist es Bob Dole: Diese Legende pflegen Dole und seine Freunde fleißig. In Iowa, der kleinen Station auf dem langen Weg zur Präsidentenwahl, hat er es am Montag auf weniger als 100 000 von vielen Millionen republikanischer Wählerstimmen gebracht.

Die republikanischen Wählerversammlungen (caucuses) gaben ihm gerade 26 Prozent ihrer Stimmen - ein blasser Sieg für den 72jährigen Senator, den Freunde als einen Pragmatiker loben, der nicht spaltet, sondern Brücken baut und Kompromisse schmiedet. Die alte Garde der Partei hat für ihn gestimmt; vor allem die Nomenklatura will Dole als verdienstvollen leader auf den Schild heben. Am Dienstag stehen die wichtigen Vorwahlen in New Hampshire an, dann zieht der Zirkus der Primaries, der Vorwahlen, weiter durchs Land, bis Ende März feststeht, wie der republikanische Herausforderer Bill Clintons heißen wird.

Bob Dole hat, anders als Newt Gingrich, allenfalls zaghaft die Fahne der republikanischen Revolution ergriffen. Er pflegt lieber seine Legionen, umgarnt Gouverneure und Parteiobere. Und dann in Iowa nur 26 Prozent? Ein bitter enttäuschendes Ergebnis. Hier hatte er 1988, als er mit George Bush um die Nachfolge Ronald Reagans stritt, 38 Prozent geholt, doppelt soviel wie der spätere Präsident. Die Geschichte lehrt: Schon viele Aspiranten, Republikaner wie Demokraten, die in Iowa siegten, sind dann doch nicht Kandidat ihrer Partei oder gar Präsident geworden.

Der Ruf, ein anderer als der alte Bob Dole müsse Amerika ins nächste Jahrhundert führen, wird fortan lauter ertönen. Dafür wird schon Lamar Alexander sorgen, der gern in die Rolle eines aufgeklärten, gemäßigten Republikaners schlüpft. Damit hat es der ehemalige Gouverneur von Tennessee und Erziehungsminister unter Bush in Iowa auf 18 Prozent und Platz drei gebracht, vor allem mit den Stimmen junger Wähler.

Doch das Herz der grand old party schlägt rechts: Der republikanische Nationalist und Neo-Isolationist Pat Buchanan wurde Zweiter. Mit 23 Prozent lag der Fernsehkommentator nur drei Punkte hinter Dole: eine ziemlich bestürzende Sensation. Am Montag abend schwelgte Buchanan in Träumen vom Weißen Haus. Und in New Hampshire sind seine Chancen plötzlich gestiegen. Dort hatte er schon vor vier Jahren als Konkurrent von George Bush den zweiten Platz belegt, mit 37 Prozent.

Pat Buchanan vertritt eine konservative Rezeptesammlung, die bei der sprachlichen Begabung und rhetorischen Kraft dieses einstigen Redenschreibers der Präsidenten Nixon und Reagan zu einer gefährlichen Mixtur werden kann. Den stärksten Zuspruch findet er bei den Abtreibungsgegnern. Denn in der Abtreibungsfrage kennt Buchanan keine Kompromisse. Er verspricht, sollte er im November gegen Bill Clinton gewinnen, ein Abtreibungsverbot als Verfassungszusatz, dazu Ernennungen von obersten Bundesrichtern, die jede Entscheidungsfreiheit aufheben würden.

Nichts polarisiert die amerikanische Nation im Augenblick mehr als die Abtreibungsdebatte. Doch über die Hälfte der Amerikaner erklärt sich für Entscheidungsfreiheit. Das müßten Wahlstrategen berücksichtigen, wenn sie Buchanans Chancen analysieren. William Kristol, einer ihrer führenden Köpfe, warnt schon davor, dem heiß umstrittenen Thema Priorität zu geben - wie etwa im Wahlkampfprogramm von 1992, das damals das gemäßigte Wählervolk prompt verprellte.