In der Tiefenpsychologie sagt man dazu: paradoxe Intervention. Eine solche stellen die irritierenden Granitblöcke für die Landschaft des niederösterreichischen Waldviertels dar. In diesem Landstrich gleiten Wälder und Äcker gelassen dahin, erheben sich Berge und Hügel wellenartig aus den Niederungen. Alles fließt. Und plötzlich steht mitten im Wald wieder so ein silbrig glitzerndes Steingebilde aus Quarz, Feldspat und Glimmer und schneidet ein freches Gesicht.

Auf keinen Dichter hat die Gegend nördlich der Donau solchen Eindruck gemacht wie auf Adalbert Stifter, aus dessen hingebungsvoller Naturprosa die Begleittexte zu Gerhard Trumlers inzwischen mehrfach ausgezeichnetem Photoband "Granit - Das Land vor dem Winter - Waldviertel" stammen. (Allerdings hat Stifter das benachbarte Mühlviertel und den Böhmerwald beschrieben, nicht das noch rauhere Waldviertel.) Auf Trumlers Bildern von fast holographischer Nähe erlebt man ein Land, dem man zu jeder Jahreszeit den Frost ansieht, den es auszuhalten hat. Der zweite Blick des Photographen geht in die Bauernhöfe und Gemischtwarenläden, durch Fensterglas und in die Regale, zur Arbeit auf den Äckern und in den Werkstätten. Auch da die gleiche Entdeckung wie an den bunten Steinen und den zarten Gräsern, die sie umwuchern: Das Ewige wehrt sich erfolgreich gegen das Neue. (Gerhard Trumler: "Granit. Das Land vor dem Winter. Waldviertel"; Verlag Bibliothek der Provinz, Weitra 1995; 154 S., Abb., 144,- DM)