Wein gehört zu den wenigen Dingen, die mit dem Alter besser werden - oder zumindest besser werden können. Geduld braucht der Weinsammler, zuweilen machen erst Jahrzehnte aus dem guten Tropfen ein edles und wertvolles Getränk. Aber es geht auch schneller, behauptet Christian Kosack. Der Erfinder aus dem Alemannischen hat ein Gerät entwickelt, das den Alterungsprozeß radikal abkürzen könnte. Wofür die Natur zehn Jahre braucht, das soll der "Improver" mittels geheimnisvoller Magnetfelder in zwanzig Minuten erledigen. Eine Erfindung, die Winzer und Weinhändler in Angst und Schrecken versetzen könnte - wenn sie denn funktioniert.

Der Autor dieser Zeilen, ein Laie in Sachen Wein, und der Redakteur, ausgewiesener Weinkenner, schreiten zum Selbstversuch. Beim Blindtest wird jeweils eine halbe Flasche Wein als Kontrollprobe in eine Karaffe gefüllt, der Rest kommt in den "Improver", der aussieht wie ein gewöhnlicher Weinkühler - bis auf das Stromkabel, das ihn mit einem handelsüblichen Netzteil verbindet. Stecker in die Dose, und das angebliche Wundergerät beginnt lautlos zu arbeiten.

Der Alterungsprozeß von Wein und anderen alkoholischen Getränken ist eine langsam ablaufende chemische Reaktion - was genau dort geschieht, weiß auch die Wissenschaft nicht. Gerade die feinen Aromastoffe entziehen sich sogar der Analyse mit modernen Methoden wie der Gas-chromatographie. Die magnetischen Felder des Geräts sollen nun die Moleküle in Schwingungen versetzen und sie damit reaktionsfreudiger machen - so erklärt der Erfinder den angeblichen Zeitraffereffekt.

Unsere erste Flasche ist ein schlichter Bordeaux aus dem Supermarkt. Nach zwanzig Minuten die Verkostung. Ohne zu wissen, in welchem Glas sich der künstlich gealterte Wein befindet, vergleicht der Kenner die beiden Proben. Er schnüffelt, schmatzt, schlürft und rollt den Wein auf der Zunge - Ergebnis: nichts. Kein Unterschied festzustellen. Jetzt will er es genau wissen und opfert eine Flasche 1982er Sociando-Mallet, ein von Weinführern gelobter Haut-Médoc, im Vertrauen darauf, daß das Verfahren wenigstens keinen Schaden anrichtet. Ergebnis: wieder nichts. Ratlos und leicht angeheitert gehen die Tester auseinander.

Der Erfinder behauptet, seine Testpersonen hätten den "verbesserten" Wein mit einer Trefferquote von 96,7 Prozent identifizieren können. Auch ein eigentlich skeptischer Weinexperte, der in einer Fernsehsendung mit dem Gerät konfrontiert worden sei, habe sich begeistert geäußert. Die Firma Asbach in Rüdesheim, Hersteller des gleichnamigen Weinbrands, wird uns als Referenz genannt. Aber der dortige Laborchef Thomas Silbernagel winkt ab: Man habe das Gerät mit Whisky und Weinbrand getestet, sowohl chemisch als auch "sensorisch", also mit menschlichen Versuchspersonen. Die Gaschromatographie ergebe keinen Unterschied, und die Aussagen der zwölf menschlichen Probanden seien nicht signifikant. Den künstlich gealterten Asbach Uralt werde es also nicht zu kaufen geben.

Schade eigentlich. Denn ganz aus der Luft gegriffen ist die Idee nicht: Tatsächlich kann man Moleküle zum Schwingen anregen und so reaktionsfreudiger machen. "Das ist ein uraltes Anliegen", erläutert Klaus-Dieter Millies vom Institut für Getränkeforschung in Geisenheim. Das Problem ist nur, daß man die vielen verschiedenen organischen Moleküle im Wein nicht kennt und folglich auch nicht ihre spezifische Resonanzfrequenz. Der "Improver" versucht das Problem zu umgehen, indem er jeweils binnen zehn Sekunden den gesamten Frequenzbereich zwischen zwei und vierzig Megahertz durchläuft. Aber diese Methode reicht nach Millies' Ansicht nicht aus, um die nötigen Reaktionsenergien zu erzeugen.

Die Weinkenner werden sich auch weiterhin in Geduld üben und ihre Flaschen nach der natürlichen Methode reifen lassen müssen. Und Christian Kosacks Erfindung wird wohl ebensowenig ein Marktrenner werden wie eine Tüftelei, die er vor drei Jahren entwickelte: ein implantiertes elektronisches Verhütungsmittel für den Mann, das sich von außen ein- und ausschalten läßt.