Mit seiner Attacke gegen Daimler-Benz hat Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen ein fulminantes Eigentor geschossen. Der Geldmanager wirft der Stuttgarter Konzernspitze vor, sich aus ihrer Verantwortung für die Tochtergesellschaft Fokker zu stehlen. Hintergrund des ungewöhnlichen Rüffels: Seit bekannt ist, daß Daimler-Benz aus dem vom Crash bedrohten holländischen Flugzeugbauer aussteigt, sind die Kurse der diversen Fokker-Anleihen abgestürzt. Dies ist für die Commerzbank doppelt unangenehm. Denn sie verkaufte diese Wertpapiere nicht nur an ihre Kunden, sondern hält als Konsortialführer von zwei Anleihen auch noch einen erklecklichen Posten in der eigenen Bilanz, den sie gewinnmindernd abschreiben muß.

Kohlhaussen sieht sich nun von Kunden und Aktionären mit peinlichen Fragen konfrontiert. Möglicherweise stehen der Commerzbank jetzt wegen falscher Beratung Schadensersatzprozesse ins Haus. Deshalb versucht sie - Angriff ist die beste Verteidigung -, den Schwarzen Peter weiterzureichen. Kohlhaussen versucht, die Stuttgarter in die Verantwortung zu nehmen. Allerdings: Der Commerzbank-Chef sitzt höchstpersönlich im Daimler-Aufsichtsrat und sollte deshalb über das Debakel bei Fokker informiert gewesen sein. Oder hatte Kohlhaussen in dem Gremium die ganze Zeit auf Autopilot gestellt?