Carlhanns Damm entschloß sich zu einem ungewöhnlichen Schritt: In einem persönlichen Brief an über 8000 inländische Händler versicherte der Chef der AEG Hausgeräte GmbH, daß mit seiner Firma auch in Zukunft zu rechnen sei. Der Mitteilung an die "lieben Geschäftsfreunde" waren alarmierende Nachrichten von der Verkaufsfront vorausgegangen: Irritiert durch die Ankündigung von Daimler-Chef Jürgen Schrempp, seine chronisch defizitäre Konzerntochter AEG zu liquidieren, hatten viele Käufer um Kühlschränke und Waschmaschinen mit dem roten Markenlogo einen großen Bogen gemacht. Die Angst, daß der Service für AEG-Geräte nicht mehr sicher sei, führte im Dezember zu "massiven Absatzeinbußen" (Damm) von zehn Prozent.

Der Einbruch für die Renommiermarke (Bekanntheitsgrad: 98 Prozent) ist deshalb besonders ärgerlich, weil er auf einem Mißverständnis beruht: Die Nürnberger Firma AEG Hausgeräte GmbH (Umsatz 1995: knapp 2,7 Milliarden Mark, 9000 Beschäftigte) ist nämlich seit dem vergangenen Oktober gar nicht mehr Teil des vor der Auflösung stehenden Frankfurter Stammhauses gleichen Namens. Als neuer Eigentümer hat vielmehr der schwedische Konkurrent Electrolux, weltweit Nummer eins im Geschäft mit der sogenannten weißen Ware, das Sagen.

Damm entschloß sich deshalb, in einer Blitzaktion die Bundesbürger über den folgenschweren Irrtum aufzuklären. In Radiospots erfuhren sie in den vergangenen Wochen, daß die Nürnberger "zum größten Hausgeräte-Hersteller der Welt gehörten" und "nicht etwa die Arbeit eingestellt"

hätten. Kosten der Kampagne, konzipiert von einer Damm persönlich gehörenden Werbeagentur: zwei Millionen Mark. Mit Bedacht verzichtete Damm in seinen Slogans auf Häme gegenüber dem ehemaligen Mutterkonzern und dessen Großaktionär. Grund: Die Nürnberger haben ein weiteres Problem, bei dessen Lösung sie auf Daimler-Benz angewiesen sind. Während sie die Marke AEG zeitlich unbegrenzt weiterführen dürfen, erlischt im Herbst 1997 ihr Recht, den bisherigen Firmennamen zu benutzen. Der gewiefte Markenartikler und frühere Deinhard-Manager Damm weiß jedoch nur zu gut, daß die Streichung des traditionsreichen Firmennamens die Identifikation von Mitarbeitern und Kunden mit dem Unternehmen erheblich beeinträchtigen würde. So möchten denn die Hausgeräte-Bauer zumindest eine Verlängerung ihrer Namensrechte erreichen. Die Chancen hierfür dürften inzwischen günstiger stehen als noch vor wenigen Monaten. Denn mit der Auflösung einer eigenständigen AEG wird Daimler-Benz an der Exklusivnutzung des Namens nun vermutlich kaum noch Interesse haben. In ihrem eigenen Konzern werden die drei Buchstaben lediglich im Namen der Konstanzer Firma AEG Electrocom GmbH (Post-Automatisierungsanlagen) fortbestehen. Selbst das im vergangenen Jahr geschmiedete Bahn-Joint-venture von AEG und ABB firmiert jetzt unter ABB Daimler-Benz Transportation.

Kleine Pikanterie zum Schluß: Ausgerechnet bei den Hausgeräte-Herstellern könnte dann der Name des einst zweitgrößten deutschen Elektrokonzerns überleben. Und die wurden von den Daimler-Managern gern als "Bügeleisen-Leute" belächelt.