Jetzt gerät das Trauerspiel um den einstigen Vorzeigekonzern Gebrüder März AG auch noch zum Rätselraten. Der Niedergang des Lebensmittelkonzerns begann mit dem Fall der Mauer und dem Einbruch im einst so lukrativen Ost-West-Handel: Der Umsatz schrumpfte von über zwei Milliarden auf 700 Millionen Mark. Nun hat eine Frankfurter Beteiligungsgesellschaft namens Apomyios 75 Prozent plus einer Aktie übernommen.

Wer sich hinter der Apomyios verbirgt, wußte zunächst nicht einmal März-Vorstandschef Dieter Jünemann. Inzwischen wurde immerhin bekannt, daß sie als Zwischenerwerber für die Berliner Bank AG und die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank tätig ist. Wer aber sind die Investoren? Die Beteiligten hüllen sich bislang in Schweigen. "Es sind mehr als zwei", meint die Hypobank. Zu Gerüchten, der Heineken-Konzern oder Nestlé, sei dabei, mochte sich das Institut nicht äußern.

Nach Herbert Gienow und Hans Christoph von Rohr versucht mit Heinz-Ludwig Schmitz der dritte Vorstandsvorsitzende, der Klöckner-Werke AG das Geldverdienen beizubringen. Immerhin stellte er für das laufende Geschäftsjahr nach 210 Millionen Mark Verlust ein ausgeglichenes Ergebnis in Aussicht.

Der neue Mann, seit dem 1. Dezember im Amt, setzt zunächst auf einen radikalen Sparkurs. Seit Schmitz regiert, ist die Zahl der Beschäftigten in der Konzernzentrale um vierzig Prozent auf nur noch 65 zurückgegangen. Und der geplante Abbau des Personals von zuletzt 19 200 um rund tausend Mitarbeiter ist für Schmitz eher die Untergrenze. Auch den Verkauf ganzer Konzernteile hält er für möglich. Hilfe von außen, so Schmitz, könne Klöckner nicht erwarten. Damit spielt er offensichtlich auf die Weigerung des Großaktionärs Viag an, einen geplanten Kapitalschnitt mit anschließender Aufstockung des Kapitals durch die Aktionäre zu begleiten.

Bei einem Familienkrach kann oft nur noch ein neutraler Therapeut helfen. Ähnlich ist das bei Eurotunnel, der hochverschuldeten französisch-britischen Betreibergesellschaft des Eisenbahntunnels unter dem Ärmelkanal. Im September hatten die beiden Eurotunnel-Kopräsidenten, der Franzose Patrick Ponsolle und der Brite Sir Alastair Morton, die Zinszahlungen auf die 65 Milliarden Franc (19 Milliarden Mark) Schulden ausgesetzt. Grund: Rund sechs Milliarden Franc wären allein für 1995 fällig gewesen - bei nur knapp 2,3 Milliarden Franc Jahresumsatz. Seither bangen die 225 Gläubigerbanken aus aller Welt um ihr Geld. Sie wollen die Schulden in Unternehmensanteile verwandeln, um so die Kontrolle über Eurotunnel zu gewinnen. Das aber lehnen die 750 000 Kleinanleger ab. Sie haben durch den Sturz der Aktie von 105 auf 6,50 Franc bereits dreizehn Milliarden Franc verloren. Zwei Exminister - der französische Sozialist Robert Badinter und der britische Thatcher-Anhänger Lord Wakeham - sollen nun vermitteln. Helfen bei ihrer Mission könnte vor allem die Angst aller Beteiligten vor dem Scheitern. Dann nämlich droht ein Konkursverfahren nach französischem und britischem Konkursrecht zugleich - ein allseits gefürchteter Alptraum.

Dornier zählt nicht zu den Lieblingsthemen des Daimler-Benz-Chefs Jürgen Schrempp. Und daran hat die streitbare Rechtsanwältin Martine Dornier-Tiefenthaler maßgeblichen Anteil: Sie liegt mit dem mächtigen Konzern schon seit 1985 im Clinch. Damals übernahm Daimler die Mehrheit an dem Traditionsunternehmen. Als Beraterin ihres inzwischen verstorbenen Schwiegervaters Claudius Dornier reizte sie Schrempp-Vorgänger Edzard Reuter bis aufs Blut - und erstritt in nächtlichen Marathonverhandlungen sehr weitgehende Veto- und Mitspracherechte für die Dornier-Erben, denen heute noch 42,4 Prozent der Anteile gehören.

Jetzt, da Schrempp sich nach dem Ausstieg bei Fokker auch von den Dornier-Sparten Luftfahrt und Medizintechnik trennen will, kündigte Frau Dornier-Tiefenthaler entschiedenen Widerstand an: "Wir wollen den Bestand von Dornier. Außerdem steht in den Verträgen mit Daimler-Benz, daß der Dornier-Konzern gerade auch als Luftfahrtunternehmen zu erhalten und gestärkt in eine gesicherte Zukunft zu führen ist." Auch mit Daimler-Millionen will sie sich das nicht abkaufen lassen. Schrempp steht also noch einiges bevor.