Ankunft in Amerika: Das Hotel liegt mittendrin im alten New York. Mit eleganter Bewegung zieht der junge Mann am Empfang die Kreditkarte durch das Lesegerät des Computers, stutzt . . . Do you have another card? Nein, warum auch? "Ihre Karte wird nicht akzeptiert." Bestürzung, Verlegenheit, seine zu Rate gezogene Kollegin ruft bei MasterCard, der amerikanischen Partnergesellschaft von Eurocard, an. "Sorry Sir, aber Sie müssen Ihre Bank in Deutschland anrufen." Das dauere irgendwo zwischen einer Viertelstunde und vierundzwanzig Stunden. Um einchecken zu können, muß ich 200 Dollar cash hinterlegen, für die erste Nacht . . .

Warum funktioniert die Kreditkarte nicht? Vom Zimmertelephon aus bekomme ich eine Direktverbindung nach Frankfurt zur "Eurocard- Akzeptanz": Ein Anrufbeantworter verweist auf die Dienstzeiten! Natürlich, in Deutschland ist es jetzt Samstagnacht, also dreißig Stunden warten! Das kann doch nicht angehen! Versuch mit einer anderen Nummer, Stichwort "Kartenverlust". Eine freundliche Frau in Frankfurt hat meinen Fall offenbar in Sekundenschnelle auf den Bildschirm und gibt dem Hotel in New York Anweisungen, wie zu verfahren sei. Zum Abschluß noch eine beruhigende Auskunft für mich: Eine routinemäßige Sicherheitskontrolle habe den Vorgang aufgehalten. So etwas komme nur einmal in zehntausend Fällen vor. Entschuldigung. Wird nicht wieder passieren. Erleichtert singe ich das Lob der internationalen Kommunikationstechnologie, der Kompetenz und Effizienz.

Acht Tage später: Park City, Utah. Wir waren Tagungsgäste, nur eine zusätzliche Nacht ist zu bezahlen, 85 Dollar. So wird die Kreditkarte erst beim Auschecken vorgelegt. Sir, do you have another card? O Gott! Die Managerin ruft MasterCard an; man läßt sie warten. Ich gehe ins Zimmer zurück, um zu packen. Klingeln: "Sir, wir brauchen Sie hier unten." Die Stimme klingt gereizt. Am Empfangstresen jonglieren die Chefin und ihre Mitarbeiterin mit mehreren Telephonen. Sie brauchen den vollen Namen, Geburtstag, Geburtsort, Paßnummer, Adresse. Warten. Zusätzliche Angaben. Wie eine Tigerin läuft die Managerin an langer Telephonschnur hin und her. "So was ist mir noch nie passiert", entfährt es ihr. Die Kollegen hinter mir werden unruhig, bieten mir ihre Karte an. Aber die Sache muß geklärt werden. Ich verlange, selbst mit MasterCard sprechen zu können. Das geht nicht. MasterCard läßt sich nicht von Kunden sprechen, kommuniziert nur mit dem Hotel. Endlich nach weiteren Telephonaten: "Wir haben die Autorisierung." Warum das alles? "Ihre Bank in Deutschland hält die Hand drauf", sagt die Managerin.

Durch die zweieinhalbstündige Verzögerung erreichen wir unser Reiseziel nicht mehr. Übernachtung in einem kleinen Motel, 40 Dollar. Die Karte wird akzeptiert: Der Wirt zieht sie durch ein altes ratterndes Handgerät, ohne Rückkopplung zum MasterCard-Eurocard-Computer. Ein Hoch der technologischen Rückständigkeit!

Nächster Tag: Spätabends kommen wir in South Lake Tahoe an. Wir fahren an den großen Hotels vorbei, steigen in einem dunklen kleinen Motel ab. Fehleinschätzung: Dort hat man eine Computerleitung. "Wir können Ihre Karte nicht annehmen. Haben Sie Travellerschecks?" Nur noch wenige, und die will ich für den äußersten Notfall behalten. So gebe ich mich fachmännisch-erfahren: "Ich kenne das Problem. Eine Sicherheitsüberprüfung. Bitte rufen Sie MasterCard an. Hier sind meine persönlichen Daten." Es dauert diesmal weniger als eine Stunde. Aber während der jüngere Mann telephoniert, wird der ältere ungehalten: "So was geht doch nicht, das hält doch keine Hotelrezeption aus." Nur weil kein Betrieb ist, haben wir eine Chance. Aber die Stimmung ist eisig.

Vom Zimmer aus suche ich Verbindung zu Eurocard Frankfurt aufzunehmen. Ein R-Gespräch gelingt nicht, aber eins auf Kreditkarte. Die Dame am anderen Ende unterbricht mich schnell: Es gebe ein neues Sicherheitssystem, sagt sie stolz; von einer bestimmten Summe an werde blockiert. Der Fall sei heute eingetreten. Nein, ändern könne sie

nichts. Erst recht könne sie die Sperre bei MasterCard nicht aufheben. Niemand könne das. Bei mir sei eine größere Summe angefragt - und nicht genehmigt - worden, mehrere tausend Dollar. "Was wollen Sie", sagt die Dame streng, "ich sehe doch hier, daß Sie heute schon verschiedene Kleinbeträge bekommen haben, an die 200 Dollar." Mit den Sicherheitsprüfungen müsse ich mich jetzt abfinden, danach habe es ja auch immer eine Genehmigung gegeben! Ein Vorgesetzter ist nicht zu sprechen, da müsse ich in einer Stunde wieder anrufen.