Als die D-Mark noch Thaler hieß und als Silbergeld im Ziegenlederbeutel am Gürtel baumelte, da sagten die Leute noch: "Bauen macht den Beutel schlapp." Die Zeiten haben sich geändert, die Sprüche wurden hoffnungsvoller: "Wenn aus Ihrem Wunschtraum ein Traumhaus werden soll", lockt heute die Deutsche Bank potentielle Bauherren. Dabei wäre derzeit allein ein Hinweis auf die Hypothekenzinsen Werbung genug. Baugeld ist so billig wie selten zuvor. Für die Hypothekenbanken lohnt sich der Druck von Werbebroschüren kaum noch, denn fast täglich müssen sie ihre Zinskonditionen nach unten anpassen.

Schon ist die 7 vor dem Komma für Baugeld mit zehnjähriger Zinsbindung gefallen. Damit liegen die Zinsen deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen zwanzig Jahre von rund 8,5 Prozent. Nur einmal waren Hypothekendarlehen noch billiger als heute, und auch dieser historische Tiefstand von 6 Prozent, erreicht im Jahr 1978, rückt in greifbare Nähe.

Der Bauherr sollte sich weniger bei den Banken als vielmehr bei den Vereinigten Staaten von Amerika bedanken. Als die dortigen Zinsen fielen, kam das ausländische Kapital auf der Suche nach höheren Renditen nach Deutschland. Finanzkrisen wie in Mexiko, dazu anfällige Währungen wie die italienische Lira oder die spanische Peseta machten den deutschen Rentenmarkt 1995 noch attraktiver.

Die Stärke der Mark, kombiniert mit hohen ausländischen Kapitalzuflüssen, ließ in Deutschland die Zinsen purzeln. Auch die Bundesbank spielte mit und drückte angesichts der lahmenden Konjunktur die Leitzinsen nach unten. Hinzu kommen noch zwei weitere Faktoren: Zum einen verbucht die deutsche Baubranche zweistellige Umsatzeinbrüche. Zum anderen sinkt die Nachfrage bei Immobilien kontinuierlich. Vor allem in Ostdeutschland fallen die Preise. Kostete ein Eigenheim in Potsdam 1994 durchschnittlich 540 000 Mark, können Eigentümer heute nur noch 380 000 Mark verlangen.

Wer jetzt ein Haus bauen oder kaufen will, der sollte angesichts günstiger Hypothekenzinsen mit dem Rechnen beginnen. Das hat der Ring Deutscher Makler bereits getan und bilanziert: Wer eine Eigentumswohnung zum Preis von 300 000 Mark kauft, wovon er 100 000 Mark durch Eigenmittel finanziert, spart heute bei einer fünfjährigen Zinsbindung im Vergleich zum Vorjahr 20 500 Mark.

Bevor aber gespart werden kann, muß sich der künftige Hausherr zwischen Baugeld mit fünf- oder zehnjähriger Festschreibung entscheiden. Jedem Volkswirtschaftsstudenten wird der Lehrsatz gepredigt, in einer Niedrigzinsphase eine möglichst lange Zinsfestschreibung von zehn Jahren oder länger abzuschließen. Das empfiehlt auch Norbert Schabel vom Verband Deutscher Hypothekenbanken: "Die Chance, in fünf Jahren wieder so einen Niedrigzins zu haben, ist relativ gering."

Außerdem sollten alle Kreditkunden die ab 1999 geplante Währungsunion im Blick behalten. Zwar sind heftige Zinsturbulenzen nicht zu erwarten, aber "billiger wird der Zins durch die Währungsunion nicht", resümiert die Deutsche Pfandbrief und Hypothekenbank AG in Wiesbaden. Bei einer zehnjährigen Festschreibung des Baugeldes muß jedenfalls niemand schlaflose Nächte fürchten, sondern kann der Umstellung der Mark auf den Euro gelassen entgegensehen. Übrigens: Makler erwarten im Vorfeld der Währungsunion eine Preisexplosion auf dem Immobilienmarkt. Ihre Begründung: Euro-Pessimisten würden von Geldwert- in Sachwertanlagen flüchten.