Helga Strasser: "Von wegen Privatvergnügen", ZEIT Nr. 5 Solange man Müttern die Verantwortung und Last überwiegend allein überläßt, beklage man nicht die vielen verwahrlosten Kinder, die Gewalt unter Kindern und den Drogen-(Alkohol-)Konsum. Eine Gesellschaft, die Müttern auferlegt, für ihre Kinder dazusein (Beispiel: fehlende Kindertagesstätten) und gleichzeitig ihren Lebensunterhalt zu verdienen, wird eines Tages die Folgen dieser Ignoranz tragen müssen. Friederike Platen-Pieper, Moers

Es gibt in diesem unserem Lande genügend Leute, denen Lifestyle wichtiger ist als alles andere, die damit bedenkenlos die Ressourcen für zukünftige Generationen zerstören, die sich selber keine Kinder aufladen wollen, denen die freie Fahrt für freie Bürger wichtiger ist als ein durch unbequeme Verkehrsberuhigungsmaßnahmen sicherer gemachter Weg zu Kindergarten und Schule, die sich durch das Toben von Kindern und das Herumstreunen Jugendlicher belästigt fühlen. Durch die momentan verfolgten politischen Ziele werden sie bestätigt und unterstützt. Denn seltsamerweise ist Geld für den Straßenbau immer noch leichter aufzutreiben als das, das für unsere Kinder investiert werden könnte. Dr. Cora Burger, Stuttgart

Für den Artikel möchte ich (geschieden, ein Kind, keinen Unterhalt vom Vater) gerne die Fortsetzung liefern: Kind studiert, erhält kein Bafög, weil Muttern ja genug verdient (grade so überm Satz!). Ich denke mir: Deine Zeit kommt noch, laß den Knaben erst mal fertig sein, dann denkst du mal an dich. Das bedeutete kein Auto, sondern Fahrrad; keine teuren Klamotten; wenn Urlaub, dann nur mit dem Sozialwerk des Bundes.

Endlich, im Herbst 1995, verdient der Sohn, jetzt 26 Jahre alt, das erste Geld als Rechtsreferendar. Das hieß natürlich auch Wegfall des Kindergeldes, Kürzung des Ortszuschlags um zwei Stufen - das waren genau 350 Mark netto weniger auf dem Gehaltszettel.

Gut und schön, dachte ich wieder, deine Zeit kommt noch, im Januar 1996 winkt eine Gehaltserhöhung. Die kam dann auch, 500 Mark brutto mehr. Aber durch den Wechsel von der Steuerklasse 2 in die 1 bedeuteten diese 500 Mark brutto schließlich nur noch mal 100 Mark netto weniger als im Herbst.

Der einzige Luxus, den ich mir gönne, ist der, als (überzeugter) Single leben zu können, unabhängig zu sein. Jetzt unterstütze ich statt meines Sohnes eben das Finanzamt. Ruth Schubert, Bad Homburg

Weil ich es geschafft habe, nach Jahren des Elends und der Abhängigkeit mich hochzurappeln, und eine Teilzeitstelle in meinem Beruf als Lehrerin bekommen habe, bezuschußt jetzt der Vater meiner vier Kinder meine alleinige Erziehungsarbeit mit 600 Mark im Monat - und das als Chirurg! Die Kinder kriegen nicht mal eine Postkarte zum Geburtstag von ihrem Erzeuger - aber ihm steht das hälftige Kindergeld zu! Von wegen Privatvergnügen!!! Dorothea Schram, Herdecke