Redewendungen aus der Welt der Kranken verbreiten gern Zweckoptimismus. So war es auch im vergangenen Sommer, als Marianne Regnier, damals noch Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Katholische Presse (AKP), über die konfessionellen Verlage sagte: "Es geht uns wie einem Menschen, der gesundheitlichen Schaden genommen hat, dessen Durchhaltewille aber Genesung verheißt und der nun intensiver lebt als vorher."

Zu Weihnachten begründete Frau Regnier als Geschäftsführerin des Josef-Knecht-Verlages weniger bildreich, warum der katholische Traditionsverlag aus Frankfurt von 1996 an die drei hessischen Kirchenzeitungen Glaube und Leben (Mainz), Der Sonntag (Limburg) und Bonifatiusbote (Fulda) nicht mehr herausgeben werde: "Inzwischen haben die finanziellen Verluste ein Ausmaß erreicht, das eine Fortführung des Zeitungsverlages ohne Subventionen verbietet." Eine Million Minus pro Jahr machen die Zeitungen - dies wollten die Bistümer nicht ausgleichen. Erst in den allerletzten Tagen des Jahres erklärte sich die Mainzer Verlagsgruppe Rhein Main (Mainzer Allgemeine Zeitung) bereit, die Blätter gemeinsam mit den drei Bistümern herauszugeben. "Viel mehr wissen wir bisher nicht", sagt Chefredakteur Ernst Schlögel.

Sicher ist nur eins: Die Auflage wird weiter sinken. Als Schlögel vor zehn Jahren antrat, verkauften die drei Kirchenzeitungen insgesamt 80 000 Exemplare, inzwischen sind es nur noch gut 54 000. Jedes Jahr stirbt ein Prozent der Leser, so heißt die Faustregel in der Redaktion - macht inklusive der sonstigen Abbestellungen ein Minus von mehr als sechs Prozent im vergangenen Jahr.

Vorbei sind die Zeiten, in denen sich ein guter Katholik aus den kirchlichen Zeitungen und Zeitschriften für Jung und Alt, Frau und Mann informierte. Die neunzig Verlage der Arbeitsgemeinschaft Katholische Presse bringen insgesamt 8,3 Millionen Zeitungen und Zeitschriften an den Christen - 1,2 Millionen oder dreizehn Prozent weniger als noch vor zehn Jahren. Selbst diese Zahlen täuschen: Die Kinderzeitschrift Sternsinger mit einer Million Auflage zum Beispiel wird oft kostenlos verteilt.

Den evangelischen Kirchenzeitungen geht es nicht besser. "Die konfessionelle Überzeugungspresse droht auszusterben", sagt illusionslos Klaus Philipp Mertens, Vertriebsleiter des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik mit Sitz in Frankfurt. Das Kasseler Sonntagsblatt beispielsweise verlor innerhalb des vergangenen Jahres fast vierzehn Prozent der Auflage; der Aufbruch, die Regionalzeitung der Badischen Landeskirche, acht Prozent. "Doch statt daß sich die Landeskirchen auf eine gemeinsame publizistische Strategie verständigen, herrscht oft Eifersucht und Provinzdenken", sagt Mertens. Gut gehen beim Gemeinschaftswerk die Spezialdienste - doch auch die hochgelobten Blätter für die Dritte Welt (1600 Abonnenten) oder die Zeitschrift epd Film (6000 Abonnenten) bleiben ein teures Zuschußgeschäft.

Auch die bundesweit erscheinenden Zeitungen mit christlichem Hintergrund könnten ohne kirchliche Subventionen kaum überleben. Neun Millionen Mark im Jahr erhält der Rheinische Merkur von der Deutschen Bischofskonferenz; die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) steckt die gleiche Summe in das Sonntagsblatt. Der Rheinische Merkur hat derzeit eine Auflage von ungefähr 108 000 Exemplaren, von denen eine große Anzahl mit Rabatten an Bildungseinrichtungen, Pfarrgemeinderäte und Militärseelsorge abgegeben wird. Diesen Luxus leistet sich das Sonntagsblatt nicht mehr: Rund 46 000 Abonnenten hat die Wochenzeitschrift noch, seit die evangelische Militärseelsorge ihren Dauerbezug gekündigt hat; 1000 Kunden kaufen das Blatt am Kiosk. In fünfzehn Jahren hat sich damit die Auflage halbiert; vor einem Jahr halbierte das Blatt dann auch Format und Belegschaft.

Rheinischer Merkur und Sonntagsblatt suchen nun ihre jeweilige Marktlücke. Der Rheinische Merkur bedient die konservativ-christlichen Leser mit einer politischen Wochenzeitung, die sich erst im hinteren Teil kirchlichen Themen widmet. Schwieriger ist es für das Sonntagsblatt mit seiner liberalen Leserschaft. Chefredakteur Arnd Brummer sagt, seine Zeitung wolle als "antizynische Wochenzeitung in Deutschland" die "Schnittstellen zwischen Religion und Gesellschaft, Ethik, Wirtschaft, Kultur und Politik" beschreiben. Das darf sie nun auch weiter mit kirchlichem Geld, allerdings zunächst einmal bis 1999. So hat die EKD im Herbst entschieden - gegen den Widerstand konservativer Protestanten. "Ich bin zuversichtlich, daß wir auch länger bestehenbleiben", sagt Brummer. "Es gibt einen großen Bedarf an ethischer Orientierung."